288/296

Vom Arztdasein in Amerika – 19.08.2011

Wer spricht denn noch deutsch?

Ich las eine spanische Studie vor kurzem durch und fühlte mich plötzlich wieder in meine Frankreichzeit anno 2007/2008 zurueckversetzt: Damals war „AIDS“ „SIDA“, „MS“, also „multiple Skelrose“, S.P.“, bzw. „sclérose en plaques“ und selbst dieses ubiquitär scheinende COPD war „BPCO“ in Frankreich. „Unsere spanischen Kollegen machen es ebenso!“, dachte ich bei mir als ich von ihren „HBPM“ las mit dem sie ihr Enoxaparin bezeichneten, während wir in Deutschland neben den „UFH“ (unfraktionierte Heparine) nur noch das englischinspirierte LMWH (niedermolekularen Heparine, englisch „low molecular-weight heparin“) kennen.

Was ist mit uns Deutschen los? Wieso sind wir anders als Spanier, Franzosen und Englischsprachler und finden nicht eigene deutsche Namen für Krankheiten? Wie kommt es, dass wir Deutsche, die früher selbstverständlich deutschäquivalente Bezeichnungen einführten und sogar Eigennamen benutzten und z.B. dem englischen „Graves disease“ einen eigenständigen Namen „Morbus Basedow“ entgegensetzten?

Wie kommt es, dass die Hashimoto-Thyroiditis nach einem im Deutschen veröffentlichenden Japaner Anfang des 20. Jahrhunderts benannt wurde, heutzutage aber für in Deutschland anzutreffende Krankheiten manchmal noch nicht einmal ein deutscher Begriff gefunden wird? Haben wir Angst vor unserer Sprache und Kultur?

Bin ich der einzige, der sich daran stört, Begriffe so zu benennen und mit Abkürzungen zu versehen, dass deutschsprachige Krankenschwestern, Ärzte und vor allem Patienten sie nicht verstehen? Warum nicht deutsch mit anderen Deutschen reden? Sollten wir nicht stolz sein, dass der deutschsprachige Raum einen derart wertvollen Beitrag zur Medizin hatte und hat?

Mein lybischer Kollege stößt mich mindestens einmal im Monat während eines Vortrages an und raunt mir in solchen Fällen zu: „Mensch, schon wieder irgendein Deutscher, der wieder etwas Bedeutendes gefunden hat. Ich wäre wirklich stolz an Deiner Stelle.“

Bin ich dann auch. Dabei denke ich dann auch darüber nach, ob COPD am besten als „chronisch-obstruktive Lungenerkrankung“ als COLE abgekürzt werden sollte oder wir lieber etwas Wohlklingenderes wie „OELS“ fuer „obstruktiv-emphysematöses Lungensyndrom“ sagen sollten. Was die Spanier können, dürfte uns auch nicht allzu schwerfallen.


Leserkommentare

forum-ab am Dienstag, 13. September 2011, 22:47
Kommentar zu Herrn Skriepletz
gemeinsame Sprache ist oftmals auch eine gemeinsame Kultur.
Auch ich bin stolz auf Kulturleistungen in meiner Sprache.
Kulturleistungen sind nicht immer Zufall.
So wenig wie Defätismus oder Terrorismus. Das hat immer Wurzeln
Andreas Skrziepietz am Donnerstag, 25. August 2011, 19:08
je eine Zustimmung oder eine positive Einstellung
Weil es dafür keinen Anlass gibt. Sollte BO die Truppen wirklich wie geplant im November aus dem Irak abziehen, werde ich ihn dafür loben. Ich fürchte nur, daß er auch dieses Versprechen brechen wird.

KZ-Vergleiche sind unbedingt angebracht, weil die USA eben ein KZ betreiben. Seit Jahren werden dort Personen ohne Gerichtsbeschluß gefangen gehalten und gefoltert. Oder will das jemand leugnen?
Senbuddy am Donnerstag, 25. August 2011, 13:58
Gegen alles...
Es ergibt sich der Eindruck, dass Herr Skzriepietz "stets gegen alles" ist. Ich kann mich nicht erinnern, von ihm je eine Zustimmung oder eine positive Einstellung zu irgendeinem Thema oder gar einen Verbesserungsvorschlag gelesen zu haben.

Er scheint seine "Rebellion als Selbstzweck" zu pflegen.

Das kann man natürlich jedem zugestehen und die Inhalte auch "anregend" finden, aber ich meine, Sachlichkeit und Achtung sollten in einem seriösen Forum trotzdem eine Selbstverständlichkeit sein. Und persönliche Abneigungen, Beschimpfungen gegen ganze Nationen oder KZ-Vergleiche haben hier nichts verloren.

Viele Grüße
S.
petrulus am Montag, 22. August 2011, 03:17
Gruppenstolz
Ich habe viele Jahre ueber diese philosophischmetaphysische Frage nachgedacht: Ist man zufaellig in eine Gruppe, eine Gesellschaft, eine Nation, eine Familie hineingeboren?
Ich denke nicht. Wir verstehen als Menschen nur nicht den hoeheren Sinn. Stolz auf die eigene Gruppe ist berechtigt.
Zum Thema Libyen: Wer das Gefuehl hat, dass massives Unrecht geschieht, sollte auf die Strasse gehen und dieses kundtun.
Ich lese Ihre Beitraege sehr gerne Herr Skrziepietz weil sie sehr oft ein Gegenpol darstellen und zum Nachdenken anregen.
Andreas Skrziepietz am Sonntag, 21. August 2011, 15:02
Bin ich der einzige, der sich daran stört
, daß die USA ein KZ nach nationalsozialistischem Vorbild betreiben und ständig andere Länder überfallen? Demnächst ist wohl Syrien an der reihe, wieder ein ehemaliger verbündeter, der sich als Diktatur entpuppte.
Der Krieg gegen Libyen wird in unseren medien ja konsequent verschwiegen. vielleicht möchte man nicht, daß jemand darüber nachdnekt, warum die Nato, die ja nur ein mandat zur beendigung der kämpfe hat, zugunsten einer marionettenregierung von amerikanischen Gnaden eingreift.

Peter: Wie bescheuert muß man eigentlich sein, um stolz auf Leistungen zu sein, die jemand erbracht hat, der z u f ä l l i g die gleiche Nationalität hatte? Frag das doch mal den Kollegen aus Lybien.

Bookmark-Service:
288/296
Vom Arztdasein in Amerika
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs