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Gesundheit – 21.07.2011

Krebsrisiko steigt mit der Körpergröße

Für alle Erwachsenen, die sich wünschen, ein paar Zentimeter größer zu sein, gibt es jetzt einen kleinen Trost. Kleine Menschen erkranken seltener an Krebs. Die Assoziation zwischen Körpergröße und der Krebsinzidenz war bereits in früheren Untersuchungen aufgefallen, die “Größe” der Million Women Study, die zwischen 1996 und 2001 insgesamt 1,3 Millionen Frauen mittleren Alters einschloss, bestätigt den Zusammenhang jetzt und ermöglicht erstmals auch Abschätzungen für einzelne Tumore.

Tatsächlich gibt es beträchtliche Unterschiede. So steigt das Darmkrebsrisiko pro 10 Zentimeter Körpergröße bei Frauen um 25 Prozent an, beim Lungenkrebs sind es nur 3 Prozent. Kopfhals-Tumoren traten bei großen Frauen sogar seltener auf.

Einen guten Mittelwert nimmt das Mammakarzinom ein, das Cancer Research UK, der Sponsor der Studie, in seiner Pressemitteilung als Beispiel herausnimmt, um die Risiken in einen allgemeineren Zusammenhang zu stellen. Zehn Zentimeter Körpergröße erhöhen das Brustkrebsrisiko um 17 Prozent. Das ist etwas mehr als für ein Glas Alkohol am Tag (plus 12 Prozent) oder den Verzicht auf Kinder (plus 43 Prozent) in anderen Studien ermittelt wurde.

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Es gäbe also durchaus Möglichkeiten, den Folgen eines hohen Wuchses durch die Modifikation anderer Risikofaktoren entgegen zu wirken. Große schlanke Frauen sollten sich übrigens keine Sorgen machen. Eine Adipositas hat laut Cancer Research einen größeren Einfluss auf das Krebsrisiko als die Körperlänge. 

Interessant ist die Frage nach dem Pathomechanismus. Prospektive Beobachtungsstudien wie die Million Women Study können ihn nicht klären. Die Ergebnisse reizen umso mehr zu Spekulationen. Das Autorenteam um Jane Green von der Universität Oxford schließt nicht aus, dass allein die vermehrte Anzahl von Zellen in einem größeren Organismus die Wahrscheinlichkeit auf eine Krebserkrankung erhöhen könnte.

Auch hormonelle Erklärungen bieten sich an. Krebs ist bekanntlich die Folge eines unkontrollierten Wachstums und den Anschub dazu könnten Wachstumshormone wie der Insulin-like growth factor liefern. Wegen der Verwandtschaft zum Insulin würde er auch das erhöhte Krebsrisiko von Diabetikern und Übergewichtigen erklären.

Die Körpergröße dürfte – sicherlich neben vielen anderen Faktoren – auch erklären, warum Krebserkrankungen in westlichen Ländern häufiger werden. Der steigende Lebensstandard hat nämlich dazu geführt, dass seit 1900 die durchschnittliche Körpergröße um 1 Zentimeter pro Dekade zunimmt. Allein dies könnten nach Berechnungen der Autoren die Krebsinzidenz um 10 bis 15 Prozent erhöht haben.


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