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Gesundheit – 30.06.2011

Auf SMS Rauchstopp

Alle abstinenzwilllige Raucher, die es mit Ratgebern, Nikotinpflaster und anderen Hilfsmitteln nicht geschafft haben, eröffnet eine Initiative aus England eine neue Perspektive. Forscher der London School of Hygiene & Tropical Medicine können in einer randomisierten Studie zeigen, dass der gute Zuspruch durch SMS die Motivation zur letzten Zigarette steigern kann.

Am “txt2stop”-Studie der London School of Hygiene & Tropical Medicine hatten 5.800 Raucher teilgenommen. Alle waren bereit, das Rauchen aufzugeben, hatten dies allein aber bisher nicht geschafft. Um sie bei ihrer Absicht zu unterstützen, erhielt die Hälfte der Teilnehmer in nächsten Monaten regelmäßig SMSe, wie “Das war‘s, schmeiß die Kippen weg” oder “Geschafft. Das Kohlenmonoxyd ist raus aus deinen Körper”.

Wenn die Teilnehmer dann den Drang zur nächsten Zigarette spürten, erhielten sie auf den Hilfe-SMS-Ruf “crave” hin Hinweise wie: “Das Craving dauert weniger als 5 Minuten. Versuch Dich so lange abzulenken, indem Du langsam an einem Getränk nippst”.

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Rückfällige konnten sich durch nach Eintippen von “lapse” trösten und für einen neuen Versuch motivieren lassen, oder sie konnten Kontakt zu anderen Teilnehmern der Studie aufnehmen. Besitzer von Pre-Paid-Handys erhielten einen Gutschein von 20 Pfund für das Versenden von Nachrichten.

Das Geld war gut investiert, auch wenn am Ende der sechsmonatigen Studie nur 10,7 Prozent der Teilnehmer “clean” waren. Ihr Speichel enthielt nur noch Spuren des Nikotin-Metaboliten Cotinin. Die Abstinenzrate war nach Angaben von Caroline Free von der London School of Hygiene and Tropical Medicine jedoch doppelt so hoch wie in einer Vergleichsgruppe, in der die Teilnehmer SMS zu anderen Themen erhalten hatten.

Dort hatten es nur 4,9 Prozent geschafft, das Rauchen aufzugeben. Free errechnet ein relatives Risiko (RR) von 2,20 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,80 bis 2,68. Besonders erfolgreich waren die Teilnehmer unter 35 Jahren (RR 2,55) und einfache Arbeiter (RR 2,42). Ältere Menschen und Gebildete lassen sich durch Kurznachrichten offenbar weniger gut erreichen.

Sei‘s drum. Einen Versucht Wert ist der Raucherstopp per SMS auf jeden Fall. Dies gilt nicht nur für den Raucher, sondern auch für den Anbieter. Denn SMS-Server lassen sich relativ kostengünstig betreiben. Sind sie einmal etabliert, ist die Teilnehmerzahl unbegrenzt. Free ist deshalb sicher, dass sie in einer nächsten Studie die Kosten-Effektivität ihres Programms belegen kann.


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