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Gesundheit – 23.06.2011

Cryptochrom: Der ungenutzte Kompass im menschlichen Auge

Hat der Mensch eine Spürsinn für Magnetfelder? Ende der 70er Jahre hatte der britische Zoologe Robin Baker hierzu vielbeachtete Experimente durchgeführt. Er ließ Personen die Augen verbinden und sie dann kreuz und quer durch die Stadt kutschieren.

Nach dem Entfernen der Augenbinden sollten sie den Ausgangspunkt der Irrfahrt nennen. Dies gelang jenen Teilnehmern am häufigsten, die während der Fahrt keinen Stabmagneten am Hinterkopf getragen hatten. Andere Forscher konnten die Experimente Bakers nicht reproduzieren und die Hypothese geriet in Vergessenheit.

Inzwischen gibt es neue Erkenntnisse zum Magnetsinn von Zugvögeln und Schildkröten. Einige Forscher bringen ihn mit dem Protein Cryptochrom in Verbindung. Es handelt sich um einen Sensor für Lichtwellen im blauen Bereich.

Sein Gen wird auch in der Netzhaut des Menschen abgelesen. Die Forscher brachten die humane Variante bisher mit der Inneren Uhr in Verbindung, die beim Menschen über die Lichtwahrnehmung im Auge synchronisiert wird. 

Doch eines dieser Proteine, das Cryptochrom 2, ist an der Wahrnehmung von Magnetfeldern beteiligt. Wenn nicht beim Menschen, so doch zumindest bei der Fruchtfliege, wie die Experimente von Steven Reppert von der Universität von Massachusetts in Worcester zeigen.

Auch Fruchtfliegen haben einen Magnetsinn. Ihre Flugrichtung kann durch ein äußeres Magnetfeld beeinflusst werden. In einem T-förmigen Irrgarten meiden sie den negativen Pol eines Magnetfelds.

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Diese Fähigkeit behielten die Fruchtfliegen, nachdem Reppert das fruchtfliegeneigene Cryptochrom gegen die humane Variante ausgetauscht hatte. Dies zeigt, dass im menschlichen Auge Proteine vorhanden sind, die für den Magnetsinn genutzt werden könnten.

Es beweist allerdings noch lange nicht, dass der Mensch über einen Magnetsinn verfügt. Dies anzunehmen wäre ebenso unsinnig wie der Schluss der Mensch könnte fliegen, weil er wie Vögel über eine Pektoralis-Muskulatur verfügt.

Wahrscheinlicher ist die Annahme, dass die Cryptochrome im Augen verschiedene Aufgaben haben. Beim Menschen sind sie möglicherweise noch an der Regulierung des Tag-Nacht-Rhythmus beteiligt. Anderen Lebewesen könnten sie die Orientierung am Magnetfeld der Erde ermöglichen.

Es ist übrigens unwahrscheinlich, dass Training hier nutzt. Oder haben sie schon einmal einen Body Builder fliegen sehen. Behalten Sie also ihren Navi.


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