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Lesefrüchtchen – 21.06.2011

Apobank: Spuren einer Vollbremsung

Die Apobank zahlt also wieder eine Dividende. 4 %. Der Grund dafür dürfte mehr im Psychologischen liegen: man demonstriert, auf dem Weg der Gesundung zu sein. Streng genommen wäre die Ausschüttung besser unterblieben und das Geld für die Stärkung des Eigenkapitals verwandt worden.

Denn daran krankt die Apobank nach ihrem irischen Abenteuer. Die Kernkapitalquote ist zwar auf 7,6 % gestiegen. Das reicht gerade für Basel III (d.h. die neuen Kapitalrichtlinien der Bank für internationalen Zahlungsausgleich, Basel); aber da brauchen nur ein schlechtes Jahr oder weitere Abschreibungen auf die riskanten Finanzprodukte zu kommen und schon wäre die Standesbank wieder klamm.

Mit der Folge, dass die Standesgenossen Kapital nachschießen müssten oder die Garantieerklärung des Bundesverbandes der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) in Anspruch genommen werden müsste. Der BVR springt nämlich notfalls mit bis zu 640 Millionen Euro ein, wenn aus den "toxischen" Papieren für die Apobank Verluste, die das Eigenkapital mindern, entstehen sollten (die Apobank müsste diese Stütze sodann abstottern).

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Nicht erstaunlich deshalb, wenn der Wirtschaftsprüfer Walter Kollbach vom Sicherungsfonds des BVR nunmehr als Kontrolleur in den Aufsichtsrat der Apobank einzieht. So nebenbei gewinnt die Apobank damit auch Sachverstand. Bisher setzte sich der Aufsichtsrat aus 3 Apothekern, 3 Zahnärzten und 4 Ärzten zusammen (dazu die 10 Arbeitnehmervertreter).

Man hat sich schon früher gefragt, ob ein derart besetzter Aufsichtsrat mit der Beurteilung der verwinkelten Geschäftspolitik der kritischen Jahre 2006 bis 2008 nicht überfordert war. Damals waren die sogenannten strukturierten Finanzprodukte von 2 auf 5,5 Milliarden Euro hochgeschnellt. Verantwortlich war in erster Linie der damalige Vorstand. Der wollte auch mal auf Weltniveau agieren und ließ sich von einem Paradiesvogel, der für derartige Gelüste braver Leute ein Gespür hatte, aufs Glatteis locken. Solches soll nun juristisch geklärt und Schadensersatz vom alten Vorstand eingefordert werden. Wenn´s denn mal klappt.

Vorstandsmäßig ist die Apobank inzwischen runderneuert. Von 6 Vorständen sind 5 gegangen (worden), nur der Vorsitzende, Herbert Pfennig, der 2009 sein Himmelfahrtskommando antrat, ist geblieben. Er forciert, offenbar mit Erfolg, das normale Geschäft mit den unverdrossen treuen Heilberuflern und entsorgt langsam die zweifelhaften Finanzprodukte.

3.2 Milliarden davon hat er in einen Spezialfonds ausgelagert, eine Art Bad Bank, sodass künftige Bilanzen nicht mehr mit den Problemfällen verunziert werden. Gleichwohl haftet die Bank im Verein mit dem BVR auch dafür und nicht – wie bei anderen Bad Banks – der Steuerzahler. 


Leserkommentare

the hunter am Samstag, 25. Juni 2011, 14:40
APO BANK
Das ist wohl die mieseste Bank ,die auf dem Markt ist.
Durchgängig minderwertig.
Kreditvergabemodalitäten unter aller Kanone.

Kopf ab Methoden.

Weg die Bank !

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