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Gesundheit – 15.06.2011

Achtung: Fernsehen kann tödlich sein

Die Beweglichkeit weitgehend auf die Augenmuskeln beschränkt, ab und zu ein Griff zur Fernbedienung, und in den Werbepausen zum Kühlschrank geschlichen auf der Suche nach schnell verdaulichen Knabbereien und (bei Fußballübertragungen) einer Flasche Bier. Wer wollte bezweifeln, dass Fernsehen dick und träge macht und krank natürlich.

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Nach dem Arbeiten und Schlafen verbringen die Menschen die meiste Zeit auf der Couch vor dem Fernseher. Europäer glotzen 3 bis 4 Stunden täglich. US-Amerikaner bringen es auf 5 Stunden am Tag. Die Quittung wird ihnen jetzt von Anders Grøntved von der Uni Odense in Dänemark und Frank Hu von der Harvard School of Public Health in Boston präsentiert. Die Forscher haben für das US-amerikanische Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 2448-2455) die Daten von 8 Kohortenstudien ausgewertet.

Ihr Ergebnis: Pro 2 Stunden Fernsehen am Tag steigt das Risiko auf einen Typ-2-Diabetes mellitus um 20 Prozent, das kardiale Risiko um 15 Prozent und das Sterberisiko um 13 Prozent, signifikant versteht sich. Das macht auf 100.000 Personen pro Jahr 176 zusätzliche Diabetiker, 38 tödliche Herzerkrankungen und 104 Todesfälle insgesamt.

Eigentlich müssten Fernseher wie Zigarettenschachteln Warnhinweise tragen, und die Fernsehsender müssten einen Teil der Werbeeinnahmen an die Krankenkassen abführen. Auch ein „Sanitasbeitrag“ aus den Fernsehgebühren wäre hilfreich.


Leserkommentare

dr.med.thomas.g.schaetzler am Montag, 27. Juni 2011, 19:14
Der Tod kommt aus der Flimmerkiste?
Nicht: "Fernsehen kann tödlich sein", sondern wenn Menschen krankheits- oder altersbedingt auf das Sterben zugehen, sehen sie mehr TV als ihre gesünderen und jüngeren Vergleichsgruppen, die eher noch mal vor die Tür kommen. Die Dauer des Fernsehkonsums ist ein Indikator für die krankheitsbedingte Mobilitätseinschränkung, doch kein plausibler, valider oder gar kausaler Parameter für Morbidität und Mortalität. Unsere Patienten sterben nicht, w e i l sie fernsehen, sondern w ä h r e n d der Fernseher läuft! Die Publikation der JAMA-Autoren verdient das Motto: "Publish or perish" -Veröffentliche oder verrecke.

Der österreichisch-britische Philosoph Ludwig Wittgenstein (* 26.4.1889 Wien; † 29.4.1951 Cambridge) würde diesen unlogischen Aufsatz im Ansatz zurückweisen. 'Context: Prolonged television (TV) viewing is the most prevalent and pervasive sedentary behavior in industrialized countries and has been associated with morbidity and mortality. However, a systematic and quantitative assessment of published studies is not available.' Die Autoren sagen selbst, was sie nicht zu verstehen imstande sind. Ein Assessment existiert eben nicht.
“A complex can only be given by its description, and this will either be right or wrong. The proposition in which there is mention of a complex, if this does not exist, becomes not nonsense but simply false”. „Der Komplex kann nur durch seine Beschreibung gegeben sein, und diese wird stimmen oder nicht stimmen. Der Satz, in welchem von einem Komplex die Rede ist, wird, wenn dieser nicht existiert, nicht unsinnig, sondern einfach falsch sein“. (Ludwig Wittgenstein Tractatus Logico-Philosophicus, London 1922; derselbe: 1963, Suhrkamp, Frankfurt/M, ISBN 978518100127).

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund


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