464/563

Gesundheit – 14.06.2011

Coole Nachtmütze verbessert den Schlaf

Die neue Behandlungsform gegen Schlafstörungen, die sich US-Schlafmediziner ausgedacht haben, ist einfach und genial. Die Patienten tragen nachts eine kühlende Mütze, die den vorderen Schädel kühlt und damit den Stoffwechsel im Frontallappen senkt. Eine erste klinische Studie, deren Ergebnisse auf der Tagung SLEEP 2011 in Minneapolis vorgestellt wurden, zeigt, dass die „coole“ Therapie wirksam sein könnte.

In einer früheren Studie hatten Eric Nofzinger und Daniel Buysse von der Universität Pittsburgh herausgefunden, dass es bei Patienten mit primärer Insomnie während des Non-REM-Schlafs in einigen Regionen des Gehirns, darunter dem Frontallappen, zu einer erhöhten Stoffwechselaktivität kommt und dass diese erhöhte Stoffwechselaktivität mit einer leichten Weckreaktion der Patienten verbunden war (Journal of Clinical Sleep Medicine 2006; 2: 316-22).

zum Thema
Die logische Folge aus dieser Beobachtung war die Entwicklung eines Gerätes zum „frontal cerebral thermal transfer“. Es handelt sich um eine Plastikkappe, in die kleine Wasserschläuche integriert sind. Durch die Änderung der Wassertemperatur lässt sich die Temperatur im Frontallappen gezielt senken.

Für eine erste Studie wählten Nofzinger und Buysse 12 Patienten mit einer primären Insomnie, darunter 9 Frauen, und 12 Kontrollen ohne Schlafstörungen aus. Die Kappen wurden abwechselnd von den Patienten und den Kontrollen getragen und die Temperatur des Wassers wurde auf eine neutrale, moderate und maximale Kühlung eingestellt.

Nach Auskunft der beiden Autoren zeigte die selektive Hirnabkühlung Wirkung. Die Schlaflatenz (Zeit bis zum Einschlafen) und die Schlafeffizienz (Anteil des Schlafes an den Bettzeiten) wurden bei den Patienten nahezu normalisiert.

Die Ergebnisse sind präliminär. Sie wurde an ausgewählten Patienten mit primärer Insomnie durchgeführt. Um die 12 Patienten zu rekrutieren, waren 110 Personen mit Schlafstörungen gescreent worden. Die Dauer der Studie war kurz. Ob die kühlende Mütze auch bei anderen Patienten wirkt und auf Dauer von den Patienten akzeptiert würde, muss in weiteren Studien gezeigt werden.

Ein Bedarf an neuen Therapien zur Behandlung der Schlaflosigkeit besteht jedoch zweifelsohne. Mit der Wirkung der derzeitigen medikamentösen Therapie ist nach Auskunft von Nofzinger nur ein Viertel der Patienten mit primärer Insomnie zufrieden.


Bookmark-Service:
464/563
Gesundheit
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
praxisnah
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika