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Gesundheit – 25.05.2011

Prostatakrebs: Schneller Schritt verlangsamt Tumorprogression

Die Zeiten, in denen sich Krebskranke nach Möglichkeit schonen sollten, sind längst vorbei. Die Deutsche Krebshilfe und das Deutsche Krebsforschungszentrum ermuntern die Patienten zu körperlicher Aktivität, da dies die Lebensgeister wach hält und dabei hilft, die Strapazen der Therapien besser zu ertragen.

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Nach der Auswertung der Cancer of the Prostate Strategic Urologic Research Endeavor oder CaPSURE-Studie könnte Sport beim Prostatakarzinom sogar eine therapeutische Wirkung haben. Erin Richman von der Universität San Francisco und Mitarbeiter haben ihre Studie bewusst auf Patienten im Frühstadium der Erkrankung beschränkt, um eine Verfälschung durch eine reverse Kausalität zu vermeiden: Denn die Assoziation zwischen Sport und einer verminderten Tumorprogression lässt sich im Spätstadium leicht darauf zurückführen, das mit dem fortschreitenden Krebsleiden die körperlichen Kräfte und häufig auch der Wille zur sportlichen Betätigung nachlassen. Bewegungsmangel wäre dann nicht die Ursache, sondern eine Folge des Krebsleidens.

Das ist im Frühstadium so nicht zu erwarten. Die Analyse der CaPSURE-Kohorte von 1.455 Männern mit lokalisiertem Prostatakarzinom ergab nun, dass ein forciertes Gehen oder andere anstrengende körperliche Betätigungen über 3 Stunden in der Woche mit einem um 57 Prozent verminderten Risiko einer Tumorprogression verbunden waren.

Das schließt aber nicht aus, dass doch andere Faktoren als der Sport für den Erfolg verantwortlich waren. Die sportlich aktiven Patienten waren etwas jünger, schlanker und häufiger Nicht-Raucher. Sie pflegten vermutlich auch auf anderen Gebieten eine gesündere Lebensweise.

Auch wenn man diese Faktoren in einer Analyse berücksichtigen kann, bleibt bei prospektiven Beobachtungsstudien immer ein Zweifel bestehen. Ein Wirkungsmechanismus ist nicht leicht vorstellbar.

Da nur die körperlich anstrengenden Tätigkeiten mit einem niedrigeren Progressionsrisiko verbunden waren, könnte die Förderung des Kreislaufs eine Rolle spielen. Eine klinische Studie zur Sporttherapie wäre durchaus sinnvoll.

Die Rekrutierung könnte sich aufgrund der Erfahrungen aus der CaPSURE-Kohorte jedoch schwierig gestalten. Die Zahl der über 60-jährigen Patienten, die trotz Krebserkrankung sportlich aktiv waren, soll gering gewesen sein.


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