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Dr. werden ist nicht schwer... – 01.07.2011

Die Lanze für einen Fahnenflüchtigen brechen

Meine lieben Leser, ich bekenne mich hiermit als absoluter von-Hirschhausen-Fan! … jedoch mit der Einschränkung, dass ich seine geschriebenen Texte den TV-Auftritten mit deutlichem Gewicht bevorzuge. Dies ist nicht etwa der Qualität letzterer geschuldet, sondern kommt ganz einfach daher, dass ich keinen Fernseher besitze und mir längeres Glotzen unweigerlich Qualen bereitet. Aus diesem Grund vermag ich auch über die Auftritte im Fernsehen und auf der Bühne nichts auszusagen.

Texte aus der Feder von Hirschhausens haben mich bisher nie enttäuscht. Sei es das Grußwort in einem Pharmabuch, der Einwurf in einem Fussballmagazin oder eines seiner Bücher, ich habe Spaß beim Lesen seiner Texte. Von Hirschhausen erlebt auf nachvollziehbare Weise aus dem Zentrum einer Situation heraus die kritische Distanz zur Selbigen.

Dabei beschreibt er sich einerseits selbst mit einer gehörigen Schippe Humor, ohne in die Selbstveralberung eines Erwin Pelzig zu verfallen. Andererseits gelingen ihm Seitenhiebe etwa auf die Missstände der menschlichen Logik auch ohne das plumpe Gemecker eines Dieter Nuhr. So stellte sein Vorwort in Vince Eberts Verkaufsschlager „Denken Sie selbst“ diesen in den Schatten.

Dies lag vermutlich daran, dass Ebert seine geistreiche Theorie, dass die Intelligenz auf diesem Planeten konstant ist (es aber immer mehr Menschen gibt), eindrucksvoll am Exemplar seines mit weniger geistreichen Witzen aufgeblähten Buches belegte.

Vermutlich hat von Hirschhausen im Laufe seiner Medizinerlaufbahn ein Reagenz (nennen wir es von-Hirschhausen-Faltor oder kurz: vHF) gefunden, mit dem man Menschen mit guter Laune und positiven Gedanken anstecken kann. Im seinem letzten Buch richtete er gar ein eigenes Vorwort an etwaige Therapieresistente – im Off-Label-Use bewirkte dieses bei vHF-sensiben Lesern übrigens eine deutliche Stimmungsaufhellung.

Einige Mediziner erhoffen sich zudem von vHF, dass einige sie betreffende Irrtümer bei Nichtmedizinern eliminiert werden. So könnte die WHO durch intensiven vHF-Einsatz nach dem weit zurückliegenden letzten großen Erfolg – der Pockenbekämpfung – beispielsweise den bei Patienten weit verbreiteten Glauben an Rollvenen eliminieren.

Bricht daher eine Lanze für den Fahnenflüchtigen, 

Euer Anton Pulmonalis


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