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Lesefrüchtchen – 12.05.2011

Fall Bayreuth-Guttenberg: Versagende Selbstkontrolle

Oh wie hart urteilt die Kommission "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" der Universität Bayreuth über Guttenbergs dreiste Dissertation. Doch wie so milde entschuldigt sie Fehlverhalten der Kollegen. Wenn Selbstkontrolle so aussieht, wie sie sich in dem Bericht der Bayreuther Kommission darbietet, dann kann man sie vergessen. Von den 42 Seiten (ohne Anlagen) des Kommissionsberichtes sind ganze 6 1/2 der "Mitverantwortung" gewidmet. Guttenbergs Gutachter werden, aufgrund ihrer eigenen Aussagen, rein gewaschen. Bis auf zwei rücksichtsvolle Tadel: man hätte zu den Ausarbeitungen des wissenschaltichen Dienstes des Bundestages (aus denen sich Guttenberg Dissertation wesentlich speiste) doch mal nachfragen können. Und: Das summa cum laude erscheine jetzt im Nachhinein ein wenig zuviel des Guten.

Professoren, die ihre Doktoranden schlampig betreuen, können sich bei solcher "Selbstkontrolle" beruhigt zurücklehnen. Die Kollegen werden ihnen schon nicht in den Rücken fallen.  Jene Hochschullehrer hingegen, die viel Zeit für die Betreuung aufwenden (das werden hoffentlich die meisten sein), müssten sich über den nachsichten Befund aus Bayreuth eigentlich ärgern.

Allerdings: Auch die Bayreuther zwickt das schlechte Gewissen. Das zeigt sich versteckt in ihren verklausulierten "Empfehlungen". Weniger in denen über eidestattliche Erklärungen, die zukünftig von Doktoranden erwartet werden (und die coole Betrüger locker wegstecken), sondern in den "strukturellen". Hervorzuheben sind zwei: Begrenzung der Doktorandenzahl und Zurückhaltung bei Vergabe der Höchstnote. Ganz, ganz vorsichtig rät die Selbstkontroll-Kommission zu prüfen, "ob sich diejenigen, die Promotionsprojekte betreuen dürfen ... im Wege der ggf. normativ stabilisierten Selbstverpflichtung auf eine Höchstzahl aktuell betreuter Promotionsprojekte verständigen können." (Wenn das man keine knallharte Empfehlung ist!) Zum summa cum laude empfehlen die Bayreuther, sich die Promotionsordnung der Medizinischen Fakultät der LMU München anzusehen. Die enthält Kriterien für die Notenvergabe und eine Strukturmaßnahme: Zwei Referenten und zwei Co-Referenten müssen das summa cum befürworten. In Fall Bayreuth-Guttenberg waren es der Dokorvater und der Zweitgutachter. 


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