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Gesundheit – 11.05.2011

Persönlichkeitsprofil der Therapiemuffel

Es sind doch immer die gleichen Patienten, die ihre Tabletten nicht einnehmen. Diesen Eindruck mögen Ärzte gelegentlich haben. Wenn sie damit jene Patienten meinen, die sie als angespannt, ängstlich, nervös, launisch, empfindlich, reizbar und furchtsam erleben, dann liegen sie möglicherweise sogar richtig.

Die genannten Eigenschaften umschreiben eine neurotizistische Persönlichkeit. Sie ist für Psychologen einer der fünf Wesensmerkmale des Menschen (“Big five”). Und in der Studie von Malin Axelsson vom Krefting Research Centre der Universität Göteborg war sie häufiger mit einer niedrigen Therapieadhärenz assoziiert.

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Günstig auf die Tablettentreue wirkten sich dagegen die Wesensmerkmale der „Verträglichkeit“ und der „Gewissenhaftigkeit“ aus. Unter Verträglichkeit verstehen die Psychologen jene Personen, die anderen Menschen mit Verständnis, Wohlwollen und Mitgefühl begegnen, sie sind also das Gegenteil der egoistischen und misstrauischen Naturen – denen die Ärzte nach den Ergebnissen der Untersuchung von Axelsson durchaus mit Misstrauen begegnen sollten, jedenfalls was die Umsetzung der ärztlichen Empfehlungen angeht.

Patienten mit hoher Gewissenhaftigkeitswerten, einem weiteren der Big-Five-Merkmale, können sie eher vertrauen. Dies sind die Perfektionisten, die sich bedingungslos an jede Anordnung halten und weder Rezepte noch Medikamente verschludern. 

Die beiden noch fehlenden Wesensmerkmale “Extrovertiertheit” und “Offenheit für Erfahrungen” hatten keinen Einfluss auf die Adhärenz. Eine erhöhte Gesprächigkeit des Patienten ist demnach keine Garantie dafür, dass er auch tut, was man ihm rät. Andererseits muss der Arzt dem fantasie-vollen Typen, die sich wissbegierig, aber auch skeptisch zeigt, nicht unbedingt misstrauen.

Leider sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Merkmalen fließend. Als Screening-Instrument, etwa versteckt in einer Umfrage im Wartezimmer, eignet sich der von Axelsson verwendete Fragebogen zur Ermittlung des Persönlichkeitsprofils nicht. Ärztliche Erfahrung und Intuition dürften, auch wenn dies hier nicht untersucht wurde, ebenso häufig zur richtigen Einschätzung des Patienten führen - oder auch nicht.


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