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Lesefrüchtchen – 26.04.2011

Ärztliche Versorgung: Planungsbedingte Notstände

Ostern, Zeit für gründliche Zeitungslektüre. In einem Leserbrief in der FAZ erinnert ein Dr. med. Nicolas Nowack an einen Leserbrief, den er 2004 im Deutschen Ärzteblatt unterbrachte. Beide Briefe beschäftigen sich mit der ärztlichen Bedarfsplanung. Das Thema ist angesichts des in Berlin derzeit mit Hochdruck beratenen Versorgungsgesetzes ganz aktuell.

Dr. Nowack verlangt, die Bürger über die sachlichen Grundlagen der Bedarfsplanung besser aufzuklären und weist zum Beispiel darauf hin, dass die Ausgangsbasis der Bedarfsplanung ziemlich willkürlich ist oder dass manche ausgewiesene Überversorgung bereits von Mangel zeugt, vor allem auf dem Land.

Tatsächlich schreibt die aktuelle Bedarfsplanungs-Richtlinie des Gemeinsame Bundesausschusses vom 27. 11. 2010  den Stand vom 31.12.1990 (!) fort. Die damaligen Verhältnisse der alten Bundesrepublik, die auch auf das "Beitrittsgebiet" übertragen wurden, werden offenbar immer noch als optimal angesehen.

Das führt zu kuriosen Ergebnissen was die fachärztliche Versorgung Stadt/Land angeht. Während bei Hausärzten von einer ziemlich gleichmäßigen Verteilung in allen Planungsbezirken ausgegangen wird (1 Arzt auf rund 1.500 Einwohner), gibt es bei Spezialisten eklatante Unterschiede.

So entfällt in Kernstädten plangemäß 1 Frauenarzt auf 6.916 Einwohner, in ländlichen Kreisen auf 13.697. Oder: 1 Nervenarzt auf 12.864 Einwohner in Kernstädten bzw. 1 : 46.384 auf dem Land; gäbe es für diese 46.384 nur einen Nervenarzt mehr, herrschte statistisch gesehen Überversorgung. Die Bedarfplanung zementiert demnach auch unbefriedigende Verhältnisse, die langen Fahrt- und Wartezeiten für Landbewohner und die hohe Arztdichte in Städten.

Der Vollständigkeit halber: Es gibt einige Korrekturfaktoren. Man mag sich mal beim G-BA die Richtlinie runterladen.



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