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Gesundheit – 19.04.2011

Chirurgie: Warum Alkohol am Abend vorher tabu sein sollte

Ein Glas in Ehren kann niemand verwehren. Das mag im Allgemeinen zutreffen, doch Chirurgen sollten am Abend vor einem anstrengenden Arbeitstag im OP-Saal besser darauf verzichten, wie zwei „naturalistische“ Experimente aus Irland zeigen. Im ersten Experiment durften 16 Studenten an einem Trainingsgerät das minimal-invasive Operieren ausprobieren. Für alle war es das erste Mal.

Am Abend danach lud Anthony Gallagher vom National Surgical Training Centre in Dublin sie zum Dinner ein. Gespeist wurde getrennt in zwei Gruppen. In der ersten Gruppe wurden alkoholische Getränke zum Essen serviert. Die Studenten durften sich frei bedienen. In der anderen Gruppe gab es nur nicht alkoholische Getränke. Am nächsten Morgen wurde dann der Workshop fortgesetzt.

In allen drei Endpunkten (Dauer, Fehlerzahl und sparsamer Einsatz der Diathermie) schnitten die Studenten, die am Vorabend Alkohol getrunken hatten, schlechter ab, berichtet Gallagher. Vor allem beim Test um 9 Uhr morgens waren ihre Leistungen signifikant schlechter.

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Vielleicht lag es ja nur an der fehlenden Übung. Diese Annahme widerlegt das zweite Experiment, an dem acht ausgewiesene Experten im laparoskopischen Operieren teilnahmen: Sechs hatten schon mehr als 250 derartige Operationen durchgeführt, die anderen beiden waren Experten in der Bedienung des Simulators.

Alle acht wurden zu einem Dinner eingeladen. Alle durften so viele alkoholische Getränke zu sich nehmen, wie sie wollten, natürlich im Wissen, dass der Workshop am nächsten Tag fortgesetzt wird. Beim ersten Test um 9 Uhr morgens konnten sie ihre Ergebnisse vom Vortag halten, doch gegen 1 Uhr mittags hatten die meisten einen Hänger. Sie waren langsamer als am Vortag und machten mehr Fehler.

Auch der sparsame Gebrauch der Diathermie hatte nachgelassen. Hier kam es um 4 Uhr nachmittags noch einmal zu einer Verschlechterung, während sich die anderen beiden Leistungen wieder leicht verbesserten. Mangels Vergleichsgruppe im zweiten Experiment ist nicht bewiesen, dass der Alkohol und nicht etwa die Feier für den Abfall der chirurgischen Leistungen verantwortlich ist. Gallagher rät den Chirurgen dennoch, am Abend vor einem anstrengenden Tag im OP auf Alkohol zu verzichten.


Leserkommentare

mslorenz am Donnerstag, 28. April 2011, 13:57
Ein Glas Alkohol ≠ Alkoholexzess
In der Studie ist nicht von "EINEM Glas in Ehren", sondern von exzessivem Alkoholkonsum die Rede!

Es geht also nicht darum, auf das eine Glas Alkohol zum Essen zu verzichten, sondern auf einen Vollrausch am Vorabend eines OP-Tages.

Dazu brauch ich aber eigentlich keine Studie, um zu wissen, dass so was nicht gut gehen kann…

Im Abstrakt steht auch nichts von grundsätzlichem und vollständigem Verzicht auf Alkohol – dort steht vielmehr, dass man die erlaubten Mengen definieren sollte.
Die Pressemitteilung redet dann interessanterweise von Abstinenz – was aus dem Abstrakt wie schon gesagt nicht hervorgeht.
harlekin2000 am Mittwoch, 27. April 2011, 08:22
Vor der Operation
zum Alkoholtest und Drogentest. Ganz einfach.
Thelber am Dienstag, 19. April 2011, 21:29
Verzicht auf Alkohol ...
... ist einfach und hat noch kaum jemandem geschadet.

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