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Dr. werden ist nicht schwer... – 12.04.2011

Facharzt (fast) unmöglich

Sie sind schon schlau die Schweizer. Fachärzte verdienen mitunter viel Geld. Desto weniger Fachärzte es gibt, umso größer gestaltet sich der Wohlstand für die Etablierten. Das dürfte wahrscheinlich sogar der Hauptgrund für den strengen Facharztkatalog zu sein. Sollte es die akademische Tiefe der Ausbildung sein, so würde ich nach Betrachtung der Zuweisungsbriefe meinen, dass dieser Wunsch nicht überall tief genug verankert wurde.

Die Schweizer unterscheiden ihre Assistenzärzte übrigens. Es gibt Ausbildungs- und Rotationsassistenten. Während Erstere eine (mehr oder weniger) strukturierte Ausbildung durchlaufen, halten ihnen Letztere mit Stations-, Nacht- und Ambulanzdiensten den Rücken frei.

Dabei lässt sich für Euch – meine werten Leser – erraten, wo hauptsächlich Deutsche und wo Schweizer zu finden sind. Man kann es als Deutscher in einigen Disziplinen total vergessen, seinen Facharzt in der Schweiz zu machen. Und viel weniger als dies noch, sollte man es wagen, an der neuen Stelle Interesse am Schweizer FMH (so heißt „Facharzt“ hier) zu zeigen. Das kommt gar nicht gut an.

Eigentlich ist es verständlich, dass man den eigenen Nachwuchs verstärkt fördert. Doch übertreiben es einige Häuser mit dem Ausschöpfen der scheinbar unerschöpflichen Ressource aus Deutschland. Manchmal hört man Aussagen wie: „Wir sollten uns mal wieder ein paar Deutsche holen.“

Der Verschleiß ist in einigen Abteilungen in der Tat sehr hoch. Auch die Behandlung kann sehr nach Nationalität variieren. Sitzverteilungsmuster mit allen Deutschen in der letzten Reihe gibt es hier ebenso wie Essenseinladungen, die sich an das gesamte ärztliche Personal außer den Rotationsassistenten (also die Deutschen) richten.

Man muss die mangelnde Ausbildung und vielerorts geringe Wertschätzung gegen die gute Bezahlung und die zumeist hohe Lebensqualität abwägen. Auch ich frage mich mit jedem Gehaltszettel erneut, ob es sich noch lohnt. Wirklich vorwärts geht es nämlich nur auf dem Konto. Habe schon das Ärzteblatt durchforstet…

Landet vielleicht bald wieder in der alten Heimat,

Euer Anton Pulmonalis

P.S.:

Lieber DiemoSchaller, mein „Vorschlag“ war alles andere als ernst gemeint. Ich habe hiermit nur einen Kontrast darstellen wollen.

Hofft, dass seine bisherigen Beiträge ihn nicht in ein falsches Bild gerückt haben,

Dein Anton Pulmonalis


Leserkommentare

Plumpsklo am Montag, 9. Mai 2011, 21:12
Anton - liegt's vielleicht an Dir?
...oder bist Du einfach an der falschen Klinik gelandet?

Ich bezweifele nicht, dass es solche Zustände gibt - in meiner Klinik (und die ist ziemlich gross), ist mir ähnliches noch nie untergekommen. Es wird sogar erwartet, dass sich auch die Deutschen um den FMH-Titel kümmern und nicht den deutschen Facharzt machen. Letztlich spielt das aber keine grosse Rolle, weil die Facharzttitel aus der EU in der Schweiz problemlos anerkannt werden - umgekehrt natürlich auch.

Wenn Du also nicht mehr in der letzten Reihe sitzen möchtest, dann hilft Dir wohl nur entweder schnell Oberarzt zu werden, oder - sollte das nicht drin sein - doch die Klinik zu wechseln und auf bessere Durchmischung der Reihen zu hoffen....
schweizerknecht am Freitag, 6. Mai 2011, 07:15
Einspruch
Einspruch: Es ist zwar schon so, dass in der Schweiz trotz der (fast) gemeinsamen Sprache grundsätzlich die gleichen Regeln für Ausländer gelten wie überall auf der Welt (vgl. auch den Vorkommentar). Aber dass man in der letzten Reihe sitzt, nicht eingeladen wird und keine Chance auf die Facharztausbildung hätte ist eine äusserst solitäre Sichtweise.

Allerdings werden die Facharztprogramme hier ernsthaft durchgezogen, es gibt also keine Pseudo-OP-Kataloge o.a. Auch fängt man in den kompetitiven Fächern immer klein an, beispielsweise als Rotationsassistent, dann in einer C-Klinik, dann B und wenn man erfahren genug ist, bekommt man eine Stelle in einem der Nadelöhrbereiche (A-Klinik, spezielle Untersuchungen etc.).

Es ist übrigens auch nicht unüblich den Facharzt nicht in der Mindestzeit zu machen, sondern zwei bis drei Jahre länger Erfahrung zu sammeln.

Ich habe meinen Facharzt (FMH) übrigens problemlos abschliessen können (als ursprünglich Deutscher).
frusti am Freitag, 15. April 2011, 09:16
klar
wie auch hier schon oft geschrieben: das Ausland holt sich (genauso wie Deutschland) als Gastarbeiter Personen, die bereits sind , ihre Qualifikation unter dem Preis der Einheimischen zu verkaufen bzw. für Jobs, wo es keine Einheimischen gibt (weil nicht attraktiv, mit Vorurteilen belastet, schlicht zu schlecht bezahlt oder wegen hohe Sozialsleistungen nciht attraktiv für Einheimische etc) .

Und nicht, weil die Schweizer die Deutschen, die Briten die Pakistanis, die Deutschen die Türken so toll finden.
frusti am Freitag, 15. April 2011, 09:16
klar
wie auch hier schon oft geschrieben: das Ausland holt sich (genauso wie Deutschland) als Gastarbeiter Personen, die bereits sind , ihre Qualifikation unter dem Preis der Einheimischen zu verkaufen bzw. für Jobs, wo es keine Einheimischen gibt (weil nicht attraktiv, mit Vorurteilen belastet, schlicht zu schlecht bezahlt oder wegen hohe Sozialsleistungen nciht attraktiv für Einheimische etc) .

Und nicht, weil die Schweizer die Deutschen, die Briten die Pakistanis, die Deutschen die Türken so toll finden.

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