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Gesundheit – 29.03.2011

Sterblichkeit: Teenager leben gefährlicher

Lebe wild und gefährlich. Das Lebensmotto pubertierender Jugendlicher scheint aktueller denn je. Denn in den meisten Ländern sind nicht mehr die ersten Lebensmonate die gefährlichste Phase der Kindheit. Die Säuglingssterblichkeit, in früheren Zeiten des West-Ost- und Nord-Süd-Vergleichs ein wichtiger Indikator für die Qualität eines Gesundheitssystems, hat offenbar ausgedient.

Und dies nicht nur in den Industrieländern. Die Sterblichkeit an Unterernährung und übertragbaren Erkrankungen ist fast überall zurückgegangen. Die Gesamtsterblichkeit der Altersgruppe der Ein- bis Neunjährigen sank in den letzten 59 Jahren um 80 bis 93 Prozent.

Die 15 bis 24-Jährigen haben nach einer Analyse des Londons Institute of Child Health am wenigsten vom Rückgang der Mortalität profitiert. Ihr Sterberisiko ist in fast allen Ländern heute höher als die Kindersterblichkeit.

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Wirtschaftlicher Wohlstand und Urbanisierung haben die Lebensrisiken von Jugendlichen vielfach erhöht: Gewalt, Verkehr und andere nichtbeabsichtigte Verletzungen sind in dieser Altersgruppe vielerorts gestiegen.

Auch Suizide sind ein signifikantes Sterberisiko im Heranwachsendenalter geworden. Statt der Kindersterblichkeit kann heute die “Jugendlichensterblichkeit” als ein Qualitätsmerkmal für den Ländervergleich herangezogen werden. Er zeigt, dass vor allem männliche Jugendliche in Osteuropa und in Zentral- und Mittelamerika erheblichen Risiken ausgesetzt sind.

Ihr Leben ist in der Tat wild und gefährlich, wenn auch weniger als Folge jugendlichen Überschwangs, denn als Konsequenz einer zunehmenden Existenznot von Jugendlichen in sogenannten Schwellenländern. Auch die derzeitigen Revolutionen in einigen arabischen Ländern dürften einen Teil ihrer Sprengkraft aus diesem Problem beziehen.


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