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Unterwegs – 24.03.2011

Tuberkulose – So fern und doch so nah

Es gibt Erkrankungen, von denen der medizinische Laie glaubt, sie existierten nicht mehr. Und wenn sie denn doch noch existieren, dann ja sicherlich nicht in Deutschland oder der unmittelbaren Umgebung.

Tuberkulose ist so eine Erkrankung. Fragt man im Familien- und Freundeskreis herum, so wissen die allermeisten nichts über TB-Infektionen, Hochinfektionsgebiete oder den Anstieg resistenter Erreger. Wenn es dann noch spezifischer wird – die Inzidenz der Tuberkulose bei Kindern – hört es ganz auf. 
Jährlich, so auch heute, soll der Welttuberkulosetag daran erinnern, dass die Erkrankung noch längst nicht vom Erdball verschwunden ist, wie aktuelle Zahlen belegen. 1,6 Millionen Menschen weltweit sind 2009 an TB gestorben, hieß es aus dem Robert-Koch-Institut (RKI).

Zwölf der 15 Länder mit der höchsten TB-Inzidenz pro Kopf liegen im südlichen Afrika. Auch Asien und Osteuropa zählen zu den Problemgebieten. Moldawien beispielsweise, hieß es vor einigen Tagen anlässlich einer Pressekonferenz zum Welt-TB Tag in Berlin, zählt zu einem der am schwersten betroffenen Länder: 2009 kam es zu 5.000 Neuinfektionen.

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Nun, so ganz weit weg ist das ja nicht, gerade wenn man die Freizügigkeit und Wanderungen innerhalb Europas und auch über die europäischen Grenzen hinaus bedenkt. Nach Angaben des RKI wurden in Deutschland im Jahr 2009 4.444 Fälle gemeldet – immerhin, etwas weniger als noch ein Jahr zuvor. Bei den Kindern ist die Rate nicht rückläufig: 2009 erkrankten 146 Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren an TB, 2008 waren es 22 Erkrankungsfälle weniger.

Am schlimmsten ist, wie O. Gazalov vom WHO Office in Kopenhagen kürzlich auf einer TB-Konferenz unterstrich, dass es innerhalb von Europa keine oder nicht ausreichende Studien zur Kindertuberkulose gibt. Dabei, unterstrich Klaus Magdorf von der Klinik für Pädiatrie an der Charité in Berlin, sind von den rund 10 Millionen Menschen, die weltweit an TB erkranken, circa eine Million Kinder.

Die meisten von ihnen haben sich bei Erwachsenen angesteckt, ergänzte Andreas Sandgren vom European Center for Disease Prevention and Control in Stockholm. Das fehlende Wissen hierüber bezeichnete Sandgren schlicht als „lack of awareness“ (fehlendes Bewusstsein).

Bei meiner letzten Recherchereise nach Indien besuchte ich mehrere Krankenhäuser auf dem Land und in Delhi. Auf die Frage, worunter die Patienten litten, tauchte eine Antwort erschreckend  häufig auf: TB.


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