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Gesundheit – 18.03.2011

Hund ersetzt Ergometer

Kardiologen raten ihren übergewichtigen und bewegungsfaulen Patienten gerne zur Anschaffung eines Ergometers. Und den Discountern ist es in den letzten Jahren gelungen, den Versorgungsgrad mit diesen Fitnessgeräten deutlich zu steigern. In vielen Wohnungen kündet eine Staubschicht eher vom Willen ihrer Besitzer, denn von einer Umsetzung.

Viele Geräte werden nach anfänglicher Begeisterung kaum benutzt. Als Grund wird dann der „innere Schweinehund“ genannt. Ihn zu überwinden, kann ein anderes Haustier helfen. Wenn der echte Hund an der Haustür winselt, muss das Herrchen (oder die Dame) den bequemen Platz vor dem Fernseher verlassen, ob er oder sie will oder nicht.

Eine Auswertung der Michigan Behavioral Risk Factor Survey zeigt jetzt, dass Hundebesitzer tatsächlich mehr Bewegung erhalten und dies nicht etwa durch Trägheit in anderen Bereichen ausgleichen. Hundebesitzer gehen im Durchschnitt eine Stunde in der Woche länger spazieren, berichtet der Epidemiologe Mathew Reeves von der Michigan State University im Journal of Physical Activity and Health (2011; 8: 436-444).

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Und nicht nur das: Hundebesitzer waren auch ohne Hund sportlich aktiver. Alter und Rasse des Hundes hatten einen Einfluss: Junge verspielte Hunde werden häufiger ausgeführt als ältere. Große Hunderassen verlangen ihren Besitzern längere Wege ab.

Wie immer in epidemiologischen Studien sind Ursache und Wirkung schwer zu trennen. Es könnte sein, dass sportliche Menschen sich eher einen Hund anschaffen, um einen Begleiter für ihren Bewegungsdrang zu haben. Menschen, die sich ungern bewegen, werden sich vermutlich nicht für einen Hund begeistern lassen.

Das Rezept „Hund zur Bewegung“ werden sie vermutlich nicht einlösen. Bleibt nur der Ratschlag den Ergometer mit angenehmeren Freizeitbeschäftigungen zu kombinieren, beispielsweise mit Fernsehen. Und wenn die Couch-Potatoes am Ende weniger fernsehen, wäre auch schon etwas gewonnen.


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