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Gesundheit – 17.03.2011

Spermien mit Sensor für weibliche Hormone

Die Angst der zur Ejakulation aufgeforderten Spermien im Woody Allen-Film ”Was Sie schon immer über Sex wissen wollten” ist durchaus berechtigt. Die Chance das Ziel der Mission zu erreichen, ist sehr gering. Zumal der Weg bis zum Eileiter lang und dunkel ist. Doch es gibt Wegweiser.

Diese sind chemischer Natur. Spermien tragen auf ihrer Oberfläche Sensoren für Signale, die von der Eizelle ausgesandt werden. Forscher der Universität Bochum vermuteten sie vor einigen Jahren in Maiglöckchen-ähnlichen Duftstoffen.

Sie würden mit olfaktorischen Rezeptoren detektiert, berichteten sie in Science (2011; 299: 2054-2058). Zwei Forschergruppen aus San Francesco und vom “center of advanced european studies and research” (caesar) in Bonn meinen dagegen, dass eher das weibliche Geschlechtshormon Progesteron die Richtung vorgibt.

Schon frühe lockt das Weib, möchte man sagen: Die Entdeckung eignet sich jedoch nicht als Thema für lockere Assoziationen. Sie könnte aber die Entwicklung eines Kontrazeptivums für den Mann vorantreiben.

Denn die beiden Forschergruppen haben herausgefunden, wo die Antennen für das Progesteron sich auf dem Spermium befinden. Es handelt sich um die sogenannten CatSper-Kanäle. Das spielt nun nicht etwa auf einen eleganten Cat-Walk der Spermien zur Eizelle an.

Es ist einfach die Abkürzung von “cation channels of sperm”. Genetische veränderte Versuchstiere ohne CatSper-Kanäle sind ebenso unfruchtbar wie einige wenige Männer mit Mutationen im verantwortlichen Gen. Eingriffe ins Erbgut müssen die Männer in Zukunft jedoch nicht vornehmen, wenn sie für den Moment kinderlos bleiben möchten.

CatSper-Kanäle könnten auch durch Medikamente blockiert werden, nämlich solchen, die die CatSper-Kanäle blockieren, so die Hoffnung der Grundlagenforscher. Ob sie sich erfüllt, wird letztlich davon abhängen, wo CatSper-Kanäle sonst noch im Körper vorhanden sind. Bislang sind alle neuen Ideen für männliche Kontrazeptiva an den Nebenwirkungen gescheitert. Der Weg scheint lang zu sein und das Erreichen des Ziels ungewiss.



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