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Gesundheit – 02.03.2011

Weniger Hautkrebs bei Schichtarbeitern

Schichtarbeit ist in den vergangenen Jahren mit einer Reihe von Krankheiten in Verbindung gebracht worden, darunter war auch ein Anstieg der Krebsraten an Brust, Endometrium, Prostata und Darm sowie des Non-Hodgkin-Lymphoms.

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Deshalb überrascht ein Befund der Nurses’ Health Study: Danach erkrankten Krankenschwestern, die häufig in wechselnden Schichtdiensten eingesetzt wurden, zu 44 Prozent seltener an einem Melanom. Auch die Häufigkeit von Basaliomen und Spinaliomen war vermindert. Eva Schernhammer vom Channing Laboratory der Harvard Universität in Boston hat für dieses Ergebnis keine Erklärung.

Die Störungen der Melatoninkonzentration würden eigentlich in die andere Richtung weisen. Dem Hormon werden krebsprotektive Wirkungen zugeschrieben, doch die Blutkonzentrationen sind bei Schichtarbeitern eher niedrig als erhöht.

Vielleicht haben die Autoren einfach nicht bedacht, dass die Nachtarbeiterinnen während des Tages die Sonne meiden, weil sie Schlaf nachholen. Die UV-Exposition dürfte deshalb niedriger sein als bei Personen mit geregelten Arbeitszeiten.


Leserkommentare

lbmedien am Donnerstag, 3. März 2011, 10:26
Vorurteile statt Schlussfolgerungen
Der Kommentar zur Studie: "Vielleicht haben die Autoren einfach nicht bedacht, dass die Nachtarbeiterinnen während des Tages die Sonne meiden, weil sie Schlaf nachholen", sagt wenig über die Studienergebnisse, viel aber über die Vorurteile der Ärzteblatt-Redaktion.

Die Vorstellung, dass Pflegepersonal in der Tagschicht zwischen 10 und 15 Uhr sich sehr viel häufiger an der Sonne aufhalten, als die Nachtschicht-Kräfte zeugt von wenig Sachkenntnis. Das Gegenteil ist zumindest logischer, aber ebenfalls empirisch nicht nachgewiesen.

Tatsächlich weist ja auch die Studie selbst (!) aus, dass es zwischen Tag- und Nachschicht-Arbeiterinnen bei der Sonnen-Exposition keinen Unterschied in der Melanom-Inzidenz gibt.
Der Zusammenhang von Sonnen-Exposition und Melanom ist ja ohnehin längst nicht so eindeutig, wie er gern dargestellt wird. Während "intermittierende" Exposition - etwa im Urlaub nach langer Sonnen-Enthaltsamkeit - offensichtlich die Melanom-Bildung befördert, scheint die moderate, regelmäßige Sonnenexposition eher das Gegenteil zu bewirken.

Nicht Phantasie und Vorurteil sondern weitere und methodisch bessere Studien könnten bei der Beantwortung der Frage nach der Melanom-Genese hilfreich sein.

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