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Gesundheit – 24.02.2011

Warum Kitas einen Misthaufen brauchen

Nicht die frische Landluft und der häufige Aufenthalt im Freien sind dafür verantwortlich, dass Kinder auf Bauernhöfen seltener an Atopien und Asthma erkranken. Epidemiologen vermuten schon seit längerem, dass eher der Misthaufen und die mangelnde Hygiene im Kuh- und Schweinestall zur Gesundheit der Kinder beitragen.

Auch nicht pasteurisierte Milch könnte einen Beitrag dazu leisten, dass das Immunsystem bei Landkindern in den ersten Lebensjahren ein natürlicheres Verhältnis zu Bakterien und Pilzen entwickelt. In der Stadtwohnung, die durch ständiges Putzen und Staubsaugen allergenarm gehalten wird, fehlt es am nötigen Schulungsmaterial für die Abwehrzellen, die mangels regulatorischer T-Zellen schließlich nicht mehr zwischen gut und böse unterscheiden und schließlich den Hausstaub zur Bedrohung erklären. Mit den bekannten Folgen: Die Prävalenz von Asthmaerkrankungen hat sich in den letzten Jahrzehnten mehr als verdoppelt.

Die Hygiene-Hypothese, manche sagen auch Dschungel-Hypothese, wird jetzt noch einmal durch die Untersuchung von Markus Ege und Erika von Mutius vom Dr. von Haunerschen Kinderspital in München unterstrichen.

Die beiden epidemiologischen Untersuchungen GABRIELA und PARSIFAL bestätigen, was andere Forscher in Finnland und Russland beobachtet hatten: Kinder auf Bauernhöfen erkranken zu 30 bis 50 Prozent seltener an Atopien und Asthma.

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Ganz offensichtlich spielt die Diversität der Bakterien und Pilze eine Rolle, die auch in den Hautstaubproben aus den Wohnungen gefunden wurden. Je vielfältiger der Mikrozoo im Hausstaub war, desto geringer war das Asthma-Risiko, schreiben die Autoren. Sie suchen jetzt nach der richtigen gesunden Mischung, die den größten Lernerfolg verspricht. Staphylococcus sciuri oder auch Schimmelpilze der Gattung Eurotium könnten dazu gehören, meint Ege, der nach Kandidaten für eine Impfstoffentwicklung sucht.

Wäre es da nicht einfacher, gleich auf die natürlichen Ressourcen der Landwirtschaft zurückzugreifen? Mist und Dung fällt reichlich an in den Großbetrieben der Agrarwirtschaft, und viele Landwirte wissen nicht mehr, wo sie ihre Fäkalien ausbringen sollen.

Ein gut geschichteter Misthaufen im Garten der Kita könnte, zunächst natürlich in einer randomisierten Studie im Vergleich zum normalen Komposthaufen, ein Gewinn für beide Seiten sein. Später würde sich die “Düngung” öffentlicher Grünanlagen anbieten. Zugegeben, eine gewisse Geruchsbelästigung ließe sich nicht vermeiden. Aber wegen des Lärms darf sich in der kinderarmen deutschen Gesellschaft ja auch niemand mehr beschweren.


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