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Gesundheit – 23.02.2011

Handytelefonat steigert Hirnstoffwechsel

Ein längeres Handytelefonat führt nicht nur zu heißen Ohren, weil Betriebstemperaturen und elektromagnitische Felder das Gewebe erwärmen. Es kommt auch zu einer Steigerung des Glukoseverbrauchs, wie eine experimentelle Studie im US-amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2011; 305: 808-813) zeigt. Sie ist allerdings weit davon entfernt, irgendeine Schädlichkeit des Handytelefonierens zu belegen.

Die 47 Teilnehmer der Studie befanden sich in einem Positronen-Emissionstomografen (PET), als der Anruf eintraf. Dass sie angerufen wurden, bemerkten die Teilnehmer nicht, denn das Gerät war stumm geschaltet worden. Ansonsten hätte man den gesteigerten Glukoseverbrauch, den das angeschaltete Gerät auslöste, leicht auf das anregende Telefonat zurückführen können.

So bleibt es vorerst offen, wieso das aktivierte Telefon nach 50 Minuten den Glukoseverbrauch in jenen Hirnzentren, die der Antenne am nächsten waren (orbitofrontaler Cortex und Temporallappen) um 7 Prozent steigerte.

Die einfachste Erklärung dürfte die beste sein. Die elektromagnetischen Felder dürften über die Erwärmung die Stoffwechselaktivität der Hirnzellen unspezifisch gesteigert haben. Gemessen wurde dies anhand einer gesteigerten Utilisation von 18F-Fluorodeoxyglukose, einem häufig angewendeten Marker bei der PET. 

Die Studie dürfte zwangsläufig eine erneute Diskussion über die Schädlichkeit von Mobiltelefonen auslösen. Doch diese Frage lässt sich durch “technische Messungen” nicht beantworten. Dies ist –außer in Fällen, in denen der Schaden offensichtlich ist – nur in epidemiologischen Studien möglich.

Diese haben aber bisher kein “Signal” finden können – auch nicht für die immer wieder in die Diskussion eingebrachten Hirntumore. Erwähnt sei nur die im letzten Jahr veröffentlichte INTERPHONE-Studie (International Journal of Epidemiology 2010;1-20).

Dennoch dürfte es in den nächsten Wochen wieder Spekulationen darüber geben, ob ein gesteigerter Hirnstoffwechsel nicht doch mit der vermehrten Bildung von freien Radikalen einhergeht, die für Hirnzellen schädlich sind und letztlich Krebs auslösen. Die Komplexität biologischer Vorgänge bietet der Fantasie viele Möglichkeiten.

Ich schlage eine randomisierte Studie unter der Leitung eines prominenten Fernsehquizmasters vor. Festnetz- treten gegen Handytelefonierer an. Geprüft wird, ob der vermehrte Glukosestoffwechsel das Abrufen unnützen Wissens aus den Tiefen des Hirns fördert. Endpunkt könnte die Häufigkeit für einen Telefonjoker sei.


Leserkommentare

chrisberlin am Donnerstag, 24. Februar 2011, 11:34
wenn schon wissenschaftlich
Unabhängig davon, was wirklich dran ist sollte man wissen:

INTERPHONE Funding

INTERPHONE received funding from the European Commission, the mobile industry and national authorities in several of the participating countries. Industry funds are administered via a firewall and the sponsors do not have access to any results of the studies before their acceptance for publication.

Am Ende der Interphone Publication:
Conflicts of interest: The following potential conflict
of interests have been declared. The Canadian
Wireless Telecommunications Association provide 50
technical support in the Interphone study in Canada
by providing access to cellular telephone billing
records from Interphone subjects, data on power
output levels from base stations, and equipment
used by the Ottawa-based research team in measuring 55
power output levels from cellular telephones. CTWA
had no involvement with the design or conduct of the
Interphone study itself.
Professor Armstrong’s travel expenses to give an
invited lecture were paid by Australian Centre for 60
Radiofrequency Bioeffects Research, which identifies
Telstra Australia as a participating institution. Ms
Brown currently owns 426 Telstra shares worth
$1452.66 and her husband owns 852 shares worth
$2905.32 as of the 10th December 2009.


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