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Unterwegs – 26.01.2011

Same same, but different

 Immer nur von den gravierenden Unterschieden fernab der Heimat zu berichten – so natürlich auch im Gesundheitswesen – beschriebe die Umstände im Ausland nur zum Teil korrekt. So bereiten nämlich auch in Indien gewisse Dinge im Gesundheitswesen ähnliche Bauchschmerzen wie in Deutschland – beispielsweise der massive Ärztemangel in ländlichen Regionen (nur dass Indien zu großen Teilen aus ländlichen Regionen besteht…). 

Die meisten indischen Ärzte zieht es in die Großstädte, denn dort gibt es bessere Kliniken, bessere Aufstiegsmöglichkeiten und weitaus bessere Gehälter. Kaum ein Arzt, der seine Ausbildung beispielsweise in Srinagar (Jammu/Kaschmir) absolviert hat, zieht es im Anschluss daran nicht in Städte wie Bombay oder Delhi.

Wer in einer aufsteigenden Hightech-Metropole wie Bangalore aufgewachsen ist und dort gearbeitet hat, verspürt kaum das Bedürfnis, anschließend Tausende von Armen in Utar Pradesh zu behandeln – und das für einen Bruchteil des Geldes.

Das soll sich ändern – zum Wohle der Patienten – haben Politiker jüngst beschlossen. So hat der Staat Karnataka ein Gesetz verabschiedet, wonach Ärzte und andere im Gesundheitswesen Tätige künftig sechs Jahre lang in ländlichen Gegenden praktizieren müssen.

Gleichzeitig versucht die Regierung Indiens die Ärztedichte zu erhöhen, indem sie die Zahl der Ausbildungsplätze an ärztlichen Lehrinstituten von 2011 an sukzessive erhöht und mehr ärztliche Lehrinstitute gründen möchte. Um einer möglichen Knappheit an Lehrpersonal an den Instituten vorzubeugen, soll deren Renteneintrittsalter von 65 auf 70 Jahre erhöht werden, schreibt die „Times of India“. 

Klingt irgendwie alles ähnlich – oder vielleicht doch nicht? 
Ein Blick auf die Statistik hilft, um Dimensionen zu veranschaulichen. In Deutschland beträgt die Ärztedichte 3,5 Ärzte pro Tausend Einwohner. In Indien sind es dem Statistischen Bundesamt zufolge 0,6 Ärzte pro Tausend Einwohner. In Deutschland beträgt der Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP beinahe elf Prozent – in Indien um die fünf (nicht zu vergessen: Inder zahlen beinahe 80 Prozent der Gesundheitsausgaben aus der eigenen Tasche, nur zehn Prozent sind krankenversichert.

In Deutschland erhalten Ärzte für die Niederlassung in strukturschwachen Regionen finanzielle Anreize. Zurzeit denken Politiker der Union sogar darüber nach, im Rahmen des neuen Versorgungsgesetzes einen Strukturfonds einzurichten, über den Investitionskostenzuschüsse, Vergütungszuschläge und andere Hilfestellungen geleistet werden könnten. 

Bei uns erfolgt der Zugang zum Medizinstudium über die Abiturnote und Auswahlverfahren der Hochschulen. In Indien dagegen – einem Land, an dem Korruption leider viel zu häufig an der Tagesordnung ist – kommt es schon beim medizinischen Eingangstest (wovon es an die 50 verschiedene gibt) zu Schwierigkeiten für die Anwärter.

Hochschulen lassen dort bewusst Plätze verfallen, um sie anschließend gegen Geld zu vergeben, hieß es jüngst in der „Hindustan Times“. Nun ja, also alles irgendwie ähnlich, aber trotzdem ganz anders…


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