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Gesundheit – 18.01.2011

Rauchen und Alkohol lassen Männer früher sterben

Jetzt ist es raus. Männer sterben nicht früher, weil sie mutiger sind und sich in „harten“ Jobs verschleißen. Und Frauen verdanken ihre längere Lebenserwartung nicht etwa dem häufigeren Arztbesuch.

Wesentlicher Grund für den früheren Tod der Männer ist ihre Zuwendung zu Tabak und Alkohol. Das ergeben jedenfalls die Berechnungen von Gerry McCartney und Mitarbeitern von der Social and Public Health Sciences Unit in Glasgow.

Danach sind europaweit zwischen 50 und 60 Prozent des Geschlechterunterschieds in der Lebenserwartung auf das Rauchen zurückzuführen. Noch einmal 10 bis 20 Prozent fordert der Alkohol. Interessant sind die Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern.

Am größten ist der Geschlechtsunterschied in der Sterblichkeit in Ukraine (Russland war nicht in die Analyse einbezogen): Hier kommen auf 100.000 Personen 942 mehr Todesfälle bei Männern als bei Frauen, in Island sind es nur 188. Deutschland liegt mit 289 im Mittelfeld.

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Die günstige Situation in Island (Norwegen und Schweden waren nicht einbezogen) dürfte mit der dortigen prohibitiven Alkoholbesteuerung zusammenhängen. Die Zahl der alkoholbedingten Todesfälle ist insgesamt niedrig, der Geschlechterunterschied ist achtmal geringer als in Litauen.

Der exzessive Alkoholkonsum in Osteuropa ist ein bekanntes Mortalitätsrisiko. Doch auch dort sterben weitaus mehr Menschen an den Folgen des Rauchens (Krebs, koronare Herzkrankheit, COPD) als an den Folgen des Alkohols (Lebererkrankungen, Kopf-Halstumore, Alkoholpsychose und Gewalttaten).

Am größten ist der Unterschied in der Ukraine, wo auf 100.000 Personen 495 mehr Todesfälle unter Männer als unter Frauen auftreten. Am geringsten ist der Unterschied mit 97 auf 100.00 Personen wiederum in Island. Die Zahlen stammen allerdings aus 2005. Das war vor der Bankenkrise, deren gesundheitliche Auswirkungen wohl noch Gegenstand zukünftiger Studien sein werden.


Leserkommentare

ralf.schrader am Mittwoch, 19. Januar 2011, 10:54
Statistik
Statistische Zusammenhänge decken im Regelfall Strukturen, nicht Kausalzusammenhänge auf. Das steht zwar in jedem Lehrbuch, scheint aber immer noch nicht bei Medizinern und ihren Medien angekommen.
Komplexe Phänomene haben keine Hauptursachen, wohl aber eine statistisch zu erfassende und zu beschreibende Topologie.

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