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Gesundheit – 20.12.2010

Notwendige Erfindungen: Von der E-Zigarette zur iCigarette

Lange schien es, als sollte der Erfindung des Chinesen Hon Lik kein Erfolg beschieden sein. Der Tüftler hatte ein batteriegetriebenes Gerät von der Größe und Form einer Zigarette erfunden und international zum Patent angemeldet. Es erlaubt die kontrollierte Abgabe von Nikotin und Geschmacksstoffen.

Diese sollen dem Raucher den Duft der großen weiten Welt oder anderer Marken vermitteln und ihm gleichzeitig eine Erhaltungsdosis jener Droge verpassen, mit der er seiner Sucht weiterhin nachgehen kann, ohne auf orale Gewohnheiten zu verzichten. Eine kleine LED an der Spitze der Zigarette sollte den Mitmenschen vorgaukeln, dass sie es mit einem echten Raucher zu tun haben.

Im letzten Jahr hatte die FDA noch Karzinogene in den elektronischen Zigaretten nachgewiesen, die über das Internet vertrieben werden. Die Karzinogene entstehen vermutlich bei der Vaporisierung von Nikotins oder der Geschmacksstoffe – letztere sollen Duft der großen weiten Welt oder anderer Marken imitieren.

Vielleicht werden sie auch vom Kunststoffgehäuse der elektronischen Zigaretten freigegeben. Trotzig verkündete die FDA, ein Gerät zur kontrollierten Abgabe eines pharmakologischen Wirkstoffs müsse als Arzneimittel oder Medizinprodukt zugelassen werden. Doch vor wenigen Tagen musste die FDA vor Gericht eine Niederlage hinnehmen.

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Im Moment sieht es so aus, als könnten die Anbieter ihre E-Zigaretten bald ohne eine Zulassung als Medikament vertreiben – was feinsinnige juristische Argumentationen gegenüber dem gleichen Ansinnen von Herstellern von Nikotin-Kaugummis und Nikotinpflastern erforderlich machen dürfte.

Wissenschaftliche Unterstützung erfährt die E-Zigarette jetzt durch ein Gutachten im Journal of Public Health Policy. Dort legt Michael Siegel von der Boston University School of Public Health dar, dass der Gehalt an Karzinogenen tausendfach niedriger sei als in den echten Zigaretten und der Konsum wahrscheinlich nicht gesundheitsschädlich. Siegel widerspricht damit gleich dem Urteil von sechs Fachgesellschaften und Verbraucherschützern.

American Cancer Society, American Heart Association, American Lung Association, Campaign for Tobacco-Free Kids, American Legacy Foundation und Action on Smoking and Health sind der Ansicht, dass die elektronische Zigaretten die Nikotinsucht nicht beseitigt und eher die Neugier von Jugendlichen und Kindern fördere, die über die E-Zigarette an den echten Tabak herangeführt würden.

Wie der Streit ausgehen wird, ist noch offen. Die logisch nächste und gesundheitlich völlig unbedenkliche Innovation wäre die iCigarette: Eine Anregung für findige Pulmologen, die Peak-Flow-Meter und iphone kombinieren, beides auf die Größe einer Zigarette miniaturisieren und dem Raucher über die mitgelieferten Kopfhörer durch die Melodien des eingebauten mp3-Players suggeriert, wie sexy ihn das Saugen am Kunstdaumen macht.


Leserkommentare

tsange am Mittwoch, 22. Dezember 2010, 15:24
Karzinogene
Die Karzinogene der E-Zigarette sind einfach die geringen Nitrosaminspuren, die im Nikotin (da aus Tabak gewonnen) genauso enthalten sind wie in anderen Produkten, die nichtsynthetisches Nikotin verwenden.

Das wird von Siegel in seinem Blog mehrfach angesprochen (einiges findet die Suchfunktion mit Begriffen wie "TSNAs" oder "diethylene glycol" - die damaligen Vorwürfe der FDA in Richtung E-Zigarette).

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