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Gesundheit – 13.12.2010

Medizinische Spartipps zu Weihnachten: Gebraucht-Rad und Ikea-Bleistifte

Geben Sie bloß keine 1.000 Euro oder mehr für ein Hightech-Rad aus. Auch ein nützliches Geschenk für den geliebten Chefarzt der Knochenchirurgie muss nicht viel kosten, wie zwei Beiträge im Britischen Ärzteblatt zeigen.

Der Intensivmediziner Jeremy Groves fährt seit Jahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Für die 27 Meilen (43,5 km) von seinem Wohnort in Sheffield bis zur Klinik in Chesterfield benötigt der sportliche Kollege weniger als zwei Stunden, und dies auf einem aufgemöbelten Second-Hand-Fahrrad, für das er gerade einmal 50 Pfund ausgegeben hatte.

Da die Ärzte in England so schlecht nicht verdienen und die Regierung den Kauf eines Fahrrads neuerdings steuerlich begünstigt, leistete sich Groves irgendwann ein Hightech-Rad für 1.000 Pfund (1180 Euro). Dieses hat einen Karbon-Rahmen und wiegt nur 9,5 kg statt der 13,5 kg seines alten Drahtesels.

Doch die Hoffnung mit einem Drittel weniger Gewicht ein Drittel der Zeit einzusparen, hat sich nicht erfüllt. Nach der ersten Frustration führte der Mediziner eine randomisierte Studie durch (BMJ 2010; 341: c6801).

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Per Münzwurf entschied er jeden Morgen, mit welchem Rad er die Strecke zur Arbeit und zurück bewältigten, auf der es auch eine 400 Meter lange Steigung gibt. Beide Räder waren mit der gleichen Beleuchtung ausgestattet und Groves achtete darauf, die Ergebnisse nicht durch unterschiedliche Bekleidungen zu verfälschen – obwohl das Design hier nicht doppelblind war.

Ergebnis: Für die Arbeit und zurück benötigt er mit dem neuen Rad eine Stunde 47 Minuten und mit dem alten eine Stunde 48 Minuten. 950 Pfund für eine Minute Zeitersparnis sei eigentlich kein Gewinn, die die Investition in ein neues Fahrrad rechtfertige, stellt der Autor ernüchternd fest. Er hält die Ausgabe wegen des Verzichts auf ein Auto dennoch für moralisch vertretbar.

Auf der Tour de France mögen die Hightech-Räder einen Vorteil bieten, für den täglichen Weg zur Arbeit sind sie ebenso entbehrlich, wie die Sportbekleidungen aus elastischem Kunststoff. Die immer häufiger im Straßenbild zu beobachtenden MAMILs (middle aged men in lycra) müssen niemanden neidisch machen. Dieses Verhalten ist weder evidenzbasiert noch kosteneffektiv.

Auch in Operationssälen wird viel Geld verschwendet. So verwenden Knochenchirurgen verschiedene Materialien, um ihre Schnittlinien zu markieren, von denen die Passgenauigkeit der späteren Hüft- oder Knieprothese abhängt.

Doch Methylen, Bonneys Blau und andere Hauttinten verfließen auf der Knochenoberfläche und werden durch die Spül- und Gewebeflüssigkeit verwischt. Das beste Werkzeug zur Markierung am Knochen liefert ein schwedisches Möbelhaus, das mit dem Slogan „Operierst Du schon oder suchst Du noch“ für die kleinen Bleistifte werben könnte, die nach Einschätzung von Karen Eley in jedes Standardbesteck für den ambitionierten Operateur gehören sollten.

Einzig die Sterilisation bereite noch Schwierigkeiten, gesteht die Chirurgin am Nuffield Department of Surgical Sciences der Universität Oxford ein. Davon abgesehen ist der Einsatz der IKEA-Stifte auf jeden Fall kosteneffektiv. Denn sie werden nur selten an der Kasse bezahlt. Als gute Quelle bietet sich die Gemeinde der „Ikea pencil stealing appreciation“, die sich bereits bei Facebook organisiert hat.


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