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Gesundheit – 06.12.2010

Wenn Grippe-Antikörper töten

Als die Schweinegrippe H1N1 im letzten Jahr ihren globalen Siegeszug antrat, hatte sie möglicherweise einen Komplizen. Es waren die Antikörper, die das Immunsystem eigentlich zu seiner Abwehr gebildet hat.

Doch der Immunschutz war nur bei älteren Menschen wirksam. Es gilt als erwiesen, dass ältere Menschen nur deshalb leicht erkrankten, weil sie Antikörper aus der Zeit der Hongkong-Grippe von 1957 hatten. Es hatte Ähnlichkeit zum H1N1 des Jahres 2009 und die Antikörper nahmen die neuen Pandemieviren erfolgreich ins Visier.

Auch die jüngeren Menschen hatten zahlreiche Influenza-Antikörper im Blut. Sie hatten sie zumeist durch frühere Grippe-Erkrankungen erworben, einige vielleicht auch durch Impfungen. Doch das H1N1-Virus konnten diese Antikörper nicht neutralisieren. Es war ihnen einfach zu fremd.

Dabei scheinen die Pfeile des Immunsystems die Angreifer wohl getroffen zu haben. Sie setzten sie aber nicht außer Gefecht. Schlimmer noch. Die Antikörper scheinen die Bildung von Immunkomplexen des Komplementfaktors CD4 gefördert zu haben.

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Diese hat ein amerikanisch-argentinisches Forscherteam in der Lunge von 20 bis 50-Jährigen entdeckt, die, obwohl zuvor in bester Gesundheit, in Südamerika an der Schweinegrippe gestorben waren.

CD4 aktivierte möglicherweise eine starke Immunreaktion, die zum Tod führte. Dies würde auch erklären, warum kleine Kinder im letzten Jahr selten tödlich erkrankten. Sie haben noch keine eigenen Antikörper und konnten deshalb keine fehlgeleitete Immunreaktion einleiten.

Die Forscher konnten an vier Gewebeproben aus dem Jahr 1957 zeigen, dass damals ebenfalls CD4-Immunkomplexe am Tod der Grippeopfer beteiligt waren. Noch ist es eine Theorie. Im nächsten Schritt müsste belegt werden, dass die Immunkomplexe tatsächlich die Ursache der Lungenschäden waren und nicht nur eine Folgeerscheinung der Erkrankung.

Sollten die Forscher jedoch Recht haben, könnte – ähnlich wie bei den Autoimmunerkrankungen – bei einer schweren Grippe-Erkrankung die Dämpfung des Immunsystems hilfreich sein. Das müsste dann aber erst einmal Gegenstand klinischer Studien sein.


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