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Gesundheit – 24.11.2010

HIV: Virus invictus

Die im Vorfeld des Welt-Aids-Tages am 1. Dezember vorgestellten Zahlen zeigen erneut: Nichts kann einen Erreger aufhalten, der sich über Sexualkontakte ausbreitet.

Kondome sind ungeliebt, Enthaltsamkeit ein frommer Wunsch, Impfstoffe gescheitert, eine Beschneidung nicht wirklich hilfreich und die jetzt in Studien untersuchte Präexpositionsprophylaxe nur für wenige Risikogruppen realistisch.

Auch in Deutschland ist die Zahl der Neuinfektionen erneut leicht angestiegen. In diesem Jahre haben sich etwa 3.000 Personen infiziert. Genauer gesagt handelt es sich um eine Interpolation aus der Zahl der Neudiagnosen.

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Denn eine Infektion wird erst bekannt, wenn ein Test durchgeführt wird. Dann liegt die Infektion in der Regel mehrere Jahre zurück. Genau hier liegt das Problem: Die meisten Menschen, die andere infizieren, wissen nichts von ihrer Infektion (andere, aber das ist vielleicht eine prominente Minderheit, wollen es nicht wahrhaben). Und gerade in der ersten virämischen Phase dürfte das Ansteckungsrisiko am höchsten sein. 

Die spätere Behandlung der HIV-Infektion senkt das Übertragungsrisiko, was übrigens Auswirkungen auf die Zahl der Neuerkrankungen (Inzidenz) hat, wie auch das Robert-Koch-Institut in einer Pressemitteilung betont: Nach 2000 wurde die Behandlung in vielen Fällen nicht mehr direkt nach Bekanntwerden der Infektion begonnen, sondern auf einen späteren Zeitpunkt verschoben.

Prompt stieg die Zahl der Neu-Infektionen. Aus epidemiologischer Sicht ist es deshalb günstig, dass der Behandlungsbeginn jetzt wieder weiter nach vorne verlegt wird. Die Inzidenz könnte wieder leicht sinken, aber sicher nicht gegen Null. 

Das bedeutet natürlich nicht, dass Präventionsbemühungen sinnlos sind. Sie müssen im Gegenteil verstärkt werden, wobei homosexuelle Männer derzeit die wichtigste Zielgruppe sein müssen: Auf sie entfielen nämlich in diesem Jahr 2.200 von insgesamt 3.000 Infektionen.

Aber auch heterosexuelle Kontakte können zur Infektion führen (580 Personen), während Drogenabhängige (170 Fälle) im Gegensatz zu Osteuropa seltener betroffen sind, übrigens ein Nebenerfolg der Substitutionstherapie, bei der nebenbei auch nach HIV-Infektionen gesucht wird.


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