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Gesundheit – 11.11.2010

Bunte Welt der Tabak-Warnungen

Das Gesundheitsministerium hat neue Warnhinweise für die Tabakverpackungen vorgestellt. Bilder sollen jetzt die Textwarnungen untermalen. Ob dies wirksam ist, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung zeigt, dass die Prävention bei Jugendlichen, am besten vor der ersten Zigarette greifen muss. Wer erst einmal süchtig ist, lässt sich von Warnhinweisen nicht mehr abschrecken.

Jugendliche lassen sich aber in der heutigen medialen Welt durch Bilder kaum abschrecken. Viele werde sie sogar cool finden. Wie viel Mut man doch beim Rauchen beweist.

Bei Jugendlichen hilft eher der Griff in die knappe Geldbörse. Die gerade beschlossene Steuererhöhung könnte mehr bewirken als Horrorbilder – die Nebenwirkung eines gesteigerten Tabakschmuggels gerät nicht außer Kontrolle.


Leserkommentare

mediko am Freitag, 12. November 2010, 19:18
Wann kommt denn ENDLICH der Alkohol dran ?
Richtig, immer druff uff die bösen Raucher. Allerdings sind mir die doch relativ sympathisch im Vergleich zu den Alkoholkonsumenten, die sich nach entsprechendem "Mut-antrinken" dann auf die Jagd nach Ausländern machen oder zu Hause Kinder und Ehefrauen verprügeln. Warum nimmt niemand zur Kenntnis, dass eine unmittelbar bewusstseinsverändernde / enthemmende (!!!) Droge wie Alkohol endlich auch besser kontrolliert gehört ? Unendlich viele soziale Katastrophen - vor allem im familiären Bereich - könnten vermieden werden, wenn die Politik nur mal 10% der Antiraucheraktionen auf die Alkoholkonsumenten umlenken würde. Aber es ist ja so einfach und bequem, und wir haben uns ja gerade so schön auf die Raucher eingeschossen ...
Businesspaar am Freitag, 12. November 2010, 11:12
Raucher fallenlassen?
Ob Raucher von bestimmten Parteien fallen gelassen werden, sei einmal dahingestellt.

Und wenn sich in Bayern nur eine Minderheit der Raucher für Volksentscheide interessiert, so könnte man das wohl mit Desinteresse interpretieren.

Ob weniger geraucht wird, wenn wieder einmal an der Steuerschraube gedreht wird, darf im übrigen bezweifelt werden. In Norwegen und GB beispielsweise kostet eine Packung Ziggis etwa 9 €. Prozentual rauchen dort nicht weniger Menschen im Vergleich zu anderen EU-Staaten.

Preiserhöhungen werden lediglich den Schmuggel noch weiter ansteigen lassen und Kinder und Jugendliche werden noch häufiger auf Beschaffungskriminalität zurück greifen.

Eine ganz persönliche Einstellung zum Thema: Rauchen hat in der Öffentlichkeit nichts, aber auch gar nichts zu suchen. Wer unbedingt rauchen will, der soll das bitte zuhause innerhalb seiner vier Wände tun.

Ein generelles Rauchverbot in der Öffentlichkeit könnte evtl. zu einer deutlichen Verminderung des Konsums von Tabak führen. (Im Auto wird auch nicht gequalmt, klar?)
johann.gruber am Freitag, 12. November 2010, 02:14
Gelb-schwarze Lobbykoalition lässt Raucher fallen
"In der Regel führt eine höhere Besteuerung von Tabakprodukten zu höheren Steuereinnahmen und bewirkt zugleich, dass die Nachfrage nach Tabakprodukten zurückgeht und damit die Gesundheitskosten sinken. Höhere Steuereinnahmen bei krank machenden Tabakprodukten erlauben eine bessere Steuerstruktur durch die Möglichkeit der Absenkung von Steuern und Sozialabgaben an anderer Stelle. Eine wichtige empirische Tatsache ist vor allem, dass die Nachfrage der Kinder und Jugendlichen bei Tabaksteuererhöhungen deutlich stärker als bei erwachsenen Rauchern zurückgeht. Tabaksteuererhöhungen sind damit ein wirkungsvolles Präventionsinstrument zum Schutz der besonders gefährdeten jungen Zielgruppe der Tabakindustrie bei gleichzeitig höherem Steueraufkommen."
Diese Feststellungen stammen aus der Reihe "Aus der Wissenschaft - für die Politik: Die Kosten des Rauchens für Gesundheitswesen und Volkswirtschaft in Deutschland (2009)" des Deutschen Krebsforschungszentrums (www.dkfz.de; Rubrik "Publikationen und Stellungnahmen").
Mit der angekündigten Tabaksteuererhöhung wird einer langjährigen Forderung der Präventionsexperten endlich nachgekommen. Das ist natürlich zu begrüßen.
Bezeichnend ist jedoch, dass die Tabaksteuererhöhung nicht mit der Verpflichtung begründet wird, vor allem junge Menschen vor dem Suchtpotenzial des Nikotins und dem Schadenpotenzial des Rauchens besser zu schützen, sondern vorgenommen wird, um mit den erwarteten Mehreinnahmen energieintensive Unternehmen zu subventionieren.
Nachdem nicht einmal 15 % der wahlberechtigten Bayern beim Volksentscheid über eine striktes Rauchverbot in der Gastronomie und in Festzelten am 4.7.2010 mit NEIN votierten, sind die Raucher für FDP und Union (erfreulicherweise) offensichtlich uninteressant und unverzüglich fallen gelassen worden.

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