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Gratwanderung – 17.08.2010

Verteilung von Embryomodellen: Geschmacklose Aktion

Heute erhielt die Redaktion eine Pressemitteilung von dem mir bisher unbekannten Verein Durchblick e.V. über die sogenannte Embryonenoffensive (http://www.embryonenoffensive.de Dahinter verbirgt sich eine „spektakuläre Aktion“.

Der Verein verschickt nämlich „300.000 originalgetreue Embryomodelle mit einer Informationsbroschüre an alle saarländischen Haushalte“. Ähnliche Verteilaktionen habe Durchblick e.V. bereits in Süddeutschland und Nordrhein-Westfalen durchgeführt. Mit dieser Aktion soll auf die Tatsache aufmerksam gemacht werden, „dass bei jeder Abtreibung ein Mensch getötet wird.“

Eine solche Kampagne kann man nur als geschmacklos bezeichnen. Denn selbst wenn die Absicht noch so gut gemeint ist, heiligt durchaus nicht jeder Zweck die Mittel. Langfristiges Ziel des Vereins ist es, jedem Haushalt in Deutschland ein solches Embryomodell zukommen zu lassen. Es bleibt zu hoffen, dass es so weit nicht kommen wird.


Leserkommentare

frusti am Samstag, 21. August 2010, 16:57
Nicht aufgepasst in Emryologie? herr Kollege????
Zitat 1Er hat mir nahe gebracht, dass an so einem Menschlein schon "alles dran" ist. Zitat 2Als Ärzte können und sollen wir nicht alles mitmachen
scout am Freitag, 20. August 2010, 20:46
... selber mal erlebt ?
Ich selber fand vor ca. 2 Jahren auch so einen "Kunststoff-Embryo" in meinem Briefkasten, im Stadium ca. 12 Wochen alt - ich habe ihn immer noch, er sieht ästhetisch aus und lässt mich staunen über dieses Wunder der Natur. Er hat mir nahe gebracht, dass an so einem Menschlein schon "alles dran" ist. Was kann "geschmacklos" daran sein, ein Stück Mensch als Modell naturgetreu abzubilden? Scheuen sich die ablehnenden Autoren in diesem Forum etwa, mit dem Abtreibungsprodukt "greifbar" konfrontiert zu werden? (Dass abgetriebene Kinder kleiner sind als das verteilte Plastikmodell, ist mir bewusst).

Ich schreibe hier als Mann, als Vater und als ärztlicher Kollege:

Über die Ziele und Vorgehensweise des Vereins (und anderer Abtreibungs- und Anti-Abtreibungsgruppen) kann man geteilter Meinung sein.

ABER:

Wer von den hiesigen Autoren hat eine Abtreibung mal persönlich erlebt, also als Elternteil? Wie viel persönliche Erfahrung sollte man denn mit einem solch schwierigen Thema haben, um informiert mitreden zu können? Hier möchte zum kritischen Nachdenken anregen.

Ich habe vor Jahren miterleben müssen, wie meine Partnerin unser zweites gemeinsames Kind abtreiben ließ - erst wollten wir es beide, als es "unterwegs" war, wollte sie es nicht mehr - da aus ihrer Sicht die Beziehung nicht stimmte; auch wenn sie sich mit der Entscheidung schwer tat. Was hätte sie gehindert, das Kind auszutragen und nach der Geburt mir zum Aufziehen zu überlassen? Aber nein, wenn eine Frau ein Kind nicht will, dann soll es auch ein anderer nicht haben. Als Mann stehst Du daneben und bist völlig hilflos - eine fürchterliche Erfahrung. Das arme Kind, es käme dieser Tage in die 7. Klasse.

Beim derzeitigen Ablauf des Abtreibungsverfahrens (Beratungslösung) erhält doch jede Frau, die es wünscht, auch "ihre" Abtreibung. Dies ist auch erklärtes politisches Ziel aller Frauenrechtsgruppen. Wo bleiben da eigentlich die Väter, falls sie sich das Kind gewünscht haben? Sie sind hilf- und machtlos, sie haben keine öffentliche Stimme. Sie haben keine Männervereine. Sie treten nicht in Talkshows auf. Sie bleiben mit ihrer Trauer alleine. Meine Partnerin erhielt den "Beratungs"-Schein (es war keine "Beratung": sie trug ihren Wunsch vor, das war's - niemand hat sie dahingehend beraten, das Kind zu bekommen und abzugeben) trotz bestehender Familie, trotz soliden sozialen und finanziellen Hintergrundes und eines aufziehwilligen Vaters. Dahinter steht der Wille unserer Gesellschaft, dass man keiner Frau eine Schwangerschaft und Entbindung zumuten will, die sie selber nicht wünscht. Dem Kind mutet man aber das "Nicht-Leben-Dürfen" zu. Das kann doch eigentlich nicht sein.

Wie viele Paare nähmen gerne ein von der Mutter/ den Eltern unerwünschtes Neugeborenes unter ihre Fittiche. Wie viel Entscheidungsfreiraum meint diese kinderarme Gemeinschaft der ungewollt Schwangeren geben zu können, denn letztlich entscheidet nur sie.

Nach meinen sehr persönlichen schmerzhaften Erlebnissen habe ich das Gefühl, ich hätte damals mehr Widerstand leisten und für das Kind kämpfen müssen. Für abtreibungswillige Frauen habe ich seitdem nur noch sehr begrenztes Verständnis: bei sehr jungen Müttern (Empfängnisverhütung sollte bei diesem Mädchen dann aber zügig nachgeholt werden; sowie bessere, ehrlichere und frühzeitige Sexualerziehung für Jungen und Mädchen), nach Vergewaltigung oder bei echter gesundheitlicher Bedrohung der Mutter (z.B. nicht behandelbare Gerinnungsstörung) - aber bitte nicht diese ganzen Scheinindikationen wie "soziale Notlage", "psychische Belastung" etc. - Erschreckend auch die willfährigen Attestierungen der Kollegen.

Mein Fazit:

1) Trotz unserer kommunikationsoffenen und gleichberechtigten Gesellschaft redet niemand über die Belange der Männer.
2) Ich sehe sehr wenige wirklich überzeugende Gründe, warum ein unerwünschtes Kind nicht ausgetragen werden und in ein anderes Nest zu fürsorglichen Menschen gegeben werden könnte.
3) Als Ärzte können und sollen wir nicht alles mitmachen, was das Gemeinwesen in Form von Paragrafen und einem festgelegten "Abtreibungsermöglichungsverfahren" wünscht (Attestierung von "Notlagen", Durchführung einer Abtreibung).
Sind hier Männer, die so etwas schon mal erlebt haben ?

Danke für Ihr Zuhören und evtl. Ihr feedback.

baldur am Donnerstag, 19. August 2010, 15:22
@ Dr. Schröter
Sehr geehrter Dr. Schröter,

man kann durchaus wie Sie anderer Meinung sein, aber der Autorin vorzuwerfen "herumzupöbeln" gilt doch eher für Sie, indem sie eine andere Meinung unsachlich abwerten.

Das schwierige Thema "Abtreibung" ist kaum "schwarz oder weiß" zu werten. Ich schließe mich auch eher denjenigen, die das Geld für diese Aktion lieber in präventive Maßnahmen sehen würden.

Darüber hinaus finde ich eine solche Aktion, mit der durch die Modelle nicht Aufklärung sondern psychischer Druck (Modell=kleiner Mensch) erzeugt wird auch geschmacklos!
klaus-guenter am Donnerstag, 19. August 2010, 15:13
Wieso geschmacklose Aktion?
Geschmacklos ist das Ermorden der unschuldigen, ungeborenen Kinder.
Geschmacklos sind die Menschen, die eine solche Aktion geschmacklos nennen.
Diese geschmacklosen Menschen sind auch noch lieblos!!!

Die Aktion von "Durchblick e.V." möchte nur auf eine liebe Art den Menschen klarmachen und durch ein Modell zeigen, wie groß das Kind ist, wenn es zerstückelt, abgesaugt und in den Müll entsorgt wird.

Der "Durchblick e.V." weist außerdem darauf hin, daß es bei einer "Abtreibung" immer zwei Opfer gibt.
Erstens: das Kind ( ist immer tödlich)
zweitens: die Mutter (hat meist lebenslang damit zu Kämpfen)

Wenn die Menschen nicht durch diese liebe Art und Weise zur Besinnung kommen,
schlage ich vor, wie bei der Warnung vor dem Rauchen,
folgenden Slogen (natürlich mit Abtreibungsbildern unterstützt):

WARNUNG!
Jede Abtreibung tötet ein Kind
und
schädigt die Gesundheit der Mutter!!

Dr. Schröter am Donnerstag, 19. August 2010, 10:19
Genau richtig !!!
Wer hat eigentlich diese schwachsinnige Kritik verfasst ?? Einen Namen des Verantwortlichen finde ich nicht !
Sind Sie auch ein Abtreiber, so wie in D viele in asoizalen Verhältnissen immer eins können: "Poppen" und dann die Kinder abtreiben ?
Oder im Luxusleben einfach die "Produkte" oft ungezügelter Sexualität per Abtreibung entsorgen ?
Das ist alles Mord an Menschen, die danach gezwungen sind, im Jenseits weiterzuleben, nachdem ihnen das Leben auf dieser Erde per Gewalt verweigert wird.
In D werden nach meiner Kenntnis im Jahr 600 000 Kinder abgetrieben.
Da kommt diese Aktion gerade richtig ! um solche Leute an ihre Verantwortung und ihre desolate falsche Lebenseinstellung zu erinnen.
Alleine davon ausgenommen sind echte Indikationen wie Lebensgefährdung und schwere Krankheit der Mutter.
Aber selbst psychisch Kranke haben oft Sex wie die Weltmeister.
Es ist völlig klar, dass in D und auch in anderen Ländern die Abtreibungindiakationen oft nicht ernst genommen werden !

Und was ist mit den Kindern von RU 486 ?? Auch hier wird ggf. abgetrieben, und ein weiterer Mensch ins Jenseits befördert.

Die Aktion ist also sehr wichtig. Der Autor scheint ein eher moralloser Mensch zu sein, der, wenn ihn jemand an seine Verantwortung und die anderer erinnert, nur noch selbst völlig !! geschmacklos herumpöbeln kann mit einem Beitrag, der völlig morallos ist.
taktgenau am Mittwoch, 18. August 2010, 11:18
Geschmacklos hoch 10.
@ Fr. Dr. Marlies: Sie schreiben: "Sehr viele Frauen, die ein Kind haben abtreiben lassen, leiden ihr Leben lang an dem Trauma, ihr Kind getötet zu haben." Wenn das so ist, sollte dies allein nicht schon diese Aktion disqualifizieren?

Darüber hinaus liegt doch der Hauptgrund der vielen Abtreibungen doch in der Gesellschaft. Würde unser Vater Staat eine bessere Ausgangssituationen für (werdende) Eltern anstreben und anbieten, gäbe es auch nicht so viele Abtreibungen. Aber so lange ein Kind noch ein Armutsrisiko ist, werden solche Aktionen mehr Menschen verstören als Abtreibungen verhindern. Das kann nicht Zielführend sein.

Die Energie dieser Aktion sollte besser in andere Bahnen gelenkt werden: Elternbetreuung, Kitas, Horte, Schulen, Bildung!
Dr. Marlis Rahe am Mittwoch, 18. August 2010, 10:43
Verteilung von Embryomodellen: Geschmacklose Aktion
Was ist an dieser Aktion geschmacklos?

In Deutschland ist die Unkenntnis über die Embryonalentwicklung sowie über die Anatomie und Funktion der Geschlechtsorgane erschreckend.
Deswegen ist die Verteilung von Embryonenmodellen sehr zu begrüßen.

Jahrelang wurde der Bevölkerung vorgegaukelt, ein Embryo sei nur ein Klumpen Schleim, den man bedenkenlos aus der Gebärmutter entfernen könne.
Wenn durch die Verteilung dieser Embyonenmodelle das Informationsdefizit in der Bevölkerung abgebaut wird, ist das nur zu begrüßen!

Abtreibung ist Tötung eines lebenden Kindes.
Man darf Schwangerschaftsverhütung, die heutzutage auf vielerlei Weise möglich ist, nicht durch Abtreibung ersetzen.
Wenn eine Frau in sozial ungesicherten Verhältnissen lebt, raucht, trinkt, Drogen konsumiert und von vornherein weiß, daß sie unfähig ist, sich um ein Kind zu kümmern und es zu erziehen, sollte sie eine sichere Schwangerschaftsverhütung betreiben, anstatt ein Kind nach dem anderen abtreiben zu lassen.

Vor Jahren hatte ich eine rumänische Patientin, die 16 Abtreibungen hinter sich hatte. Sie wirkte emotional völlig abgestumpft.

Sehr viele Frauen, die ein Kind haben abtreiben lassen, leiden ihr Leben lang an dem Trauma, ihr Kind getötet zu haben.

Wenn die Verteilung von Embryomodellen dazu helfen kann, die Proportionen wieder zurechtzurücken, ist sie uneingeschränkt zu empfehlen!

sumedokiN am Mittwoch, 18. August 2010, 10:13
Scheinargument
Grüß Gott.

Das Argument mit den Misshandlungen muss ich leider als Scheinargument
zurückweisen. Es ist zwar alles richtig was sie über die Situation der
Kinder und das Verhalten einzelner "Mütter" (oder Väter) schreiben, jedoch
kann es nicht der richtige Weg sein, das Opfer einer Misshandlung vorbeugend
zu töten.

Verbunden
Alexander Benner
katja_seipel@web.de am Mittwoch, 18. August 2010, 10:04
Abtreibung kann die bessere Alternative sein....
je nachdem, in welchen Lebensumständen sich die werdenden Eltern befinden, kann eine Abtreibung die bessere Wahl sein. Ein Kind um jeden Preis, auch den der späteren Vernachlässigung, Misshandlung und vielleicht sogar Kindstötung ist m. E. nicht der richtige Weg. Frauen, die während der Schwangerschaft "saufen", rauchen und evtl. sonstige Drogen konsumieren, denen oft also nichts an dem Kind liegt, betreiben im Grunde Kindesmisshandlung schon vor der Geburt.
Es gibt zu viele Kinder, die in unglaublichen Verhältnissen dahinvegetieren. Diesen sollte das hier verbrauchte Geld zukommen. Damit wäre mehr gewonnen. Immer wieder ist die Rede von den Rechten des ungeborenen Lebens, aber was ist mit den Rechten des geborenen Lebens?
frusti am Mittwoch, 18. August 2010, 08:50
bitte das Geld stattdessen
zur Verbesserung der Situation der bereits ungewollt geboren Kinder einsetzen, die oft in prekären und gefährdeten verhältnissen leben.....
sumedokiN am Mittwoch, 18. August 2010, 08:10
Warum geschmacklos?
Grüß Gott,

dass der Zweck nicht die Mittel heiligt, kann ich nur unterschreiben. Wenn
Sie damit z.B. das Töten von Menschen zum Erhalt unseres Lebensstandes
meinen. Was ist aber "geschmacklos" an dem Versenden von Embryomodellen?
Vielleicht haben sie noch keine davon gesehen. Sie sehen, genau wie die
Orginale, sehr geschmackvoll und ästetisch aus. Es wird dabei auch kein
Druck auf die Empfänger ausgeübt. Jeder kann das Abbild eines kleinen
Menschen in den Müll werfen, wenn er es nicht ertragen kann. Genau wie es
die Abtreibungsärzte mit den Orginalen machen.


Verbunden
Alexander Benner

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