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Lesefrüchtchen – 14.08.2010

Rente mit 67? Wie´s die Versorgungswerke halten.

Ab 2012 soll die Regelaltersgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung schritttweise von 65 auf 67 Jahren raufgesetzt werden; die 67 gelten erstmals für den Geburtsjahrgang 1964. So jedenfalls sieht es das RV-Altersgrenzenanpassungsgesetz von 2007 – schick und einprägsam RVAGAnpG  geheißen – vor.

Darüber tobt jetzt ein heftiger Sommerloch-Streit. Die Junge Union hat gerade, im Gefolge zweier Wirtschaftsforschungsinstitute sogar die 70 ins Gespräch gebracht. Die Debatte läuft bisher unter rein finanziellen Aspekten. Höchste Zeit, dass kompetente Mediziner mal öffentlich darüber diskutieren, was von Senioren im Arbeitsleben medizinisch erwartet werden darf und wie angepasste Arbeitplätze aussehen müssten.

Wie halten es eigentlich die ärztlichen Versorgungswerke mit den 67? Die Recherche ergibt ein buntes Bild. Die Versorgungseinrichtungen von Hessen, Koblenz, Mecklenburg Vorpommern, dem Saarland und Sachsen-Anhalt bleiben vorerst bei der klassichen Altersgrenze von 65. Alle anderen haben umgestellt.

In Baden-Württemberg setzt die Regelaltersgrenze von 67 ab Jahrgang 1961 ein, in Bayern ab Jahrgang 1963, Berlin 1961, Brandenburg 1960, Bremen 1977, Hamburg 1960, Niedersachsen 1964, Nordrhein 1971, Schleswig-Holstein 1966, Thüringen 1964, Trier 1958, Westfalen-Lippe 1960 und Sachsen 1961.

Das Versorgungswerk Nordrhein weist auf seiner Webseite übrigens darauf hin, dass zu Bismarcks Zeiten der Renteneintritt mit 70 erfolgte. Dem Rentner blieben danach noch ganze sieben Monate zu leben. Ob die Junge Union sowas vor Augen hatte?


Leserkommentare

doggi am Donnerstag, 19. August 2010, 15:02
Kommentar zu: Für mich nicht ganz klar ...
Hallo,

Sie sprechen zwei Probleme an:

1) der Erwerb von jeweils einem weiteren "Rentenvertrag" bei Eröffnung einer neuen Mitgliedschaft in einem weiteren Versorgungswerk wegen Ortswechsels: wenn Sie das Rentenalter erreicht haben (ob Sie nun mit 65, 66 oder 67 Rente beziehen werden - das hängt u.a. von Ihrem Jahrgang ab), wird sich Ihre monatliche lebenslang garantierte Rente nach der Höhe der bisher entrichteten Gesamtbeiträge richten. Sie bekommen also von jedem Versorgungswerk (VW) eine getrennte Rente ausgezahlt - je länger Sie Mitglied waren bzw. je mehr Sie insgesamt eingezahlt haben, um so höher die Monatsrente. Insofern ist es umständlich, aber Sie verlieren durch Ihre Ortswechsel nicht unbedingt, rechnet man alle 3 Renten zusammen. (Die Höhe der Rente bei selbem Beitrag kann sich von VW zu VW unterscheiden, je nachdem wie diese das Geld angelegt und verzinst bekommen haben; es gibt noch weitere Faktoren wie Alterszusammensetzung des versicherten Kollektivs etc).

2) bei einigen VW'en konnte man schon nach der alten Regel VOR 65, z.B. ab 62, Rente beziehen, unabhängig vom laufenden weiteren Einkommen (z.B. Praxis weitergeführt). Es gab dann eben monatlich weniger Rente. Dieses Mindestbezugsalter (z.B. Bayerisches V´W ab 63) wurde nun teils hochgesetzt, damit Einzelne nicht zu früh Rente beziehen.

z.B. Quelle:
http://www.versorgungskammer.de/portal/page/portal/bvk/baev/index.html

3) Nach der neuen Regel ist es so, daß man denselben monatlichen Rentenbetrag eben nicht mehr bei Beginn der Rente mit 65, sondern erst mit 67 erhält, je nach Jahrgang

z.B. Quelle:
http://www.versorgungskammer.de/portal/page/portal/bvk/baev/index.html

4) summa summarum ist es so, daß bei demselben eingezahlten Beitrag ein ärztliches VW wesentlich bessere monatliche Rente zahlt als die gesetzliche, da es bei uns nicht Wohlfühlleistungen wir Reha/ Kuren oder Anrechnung von Erziehungszeiten ohne Beitrag gibt. Auch ist das Geld solide angelegt und bringt Zinsen

Quelle:
http://www.versorgungskammer.de/portal/page/portal/bvk/baev/index.html

Also nicht verzagen, so schlecht sieht es gar nicht aus.

mfg - doggi
missmau am Mittwoch, 18. August 2010, 18:03
Für mich nicht ganz klar ...
... ist, wie das funktionieren soll, wenn man Mitglied in verschiedenen Versorgungswerken war - das ist nämlich super geregelt. Ich war Mitglied in Hessen, musste dann beruflich nach Nordrhein, Beiträge konnten nicht übertragen werden, weil ich zu lange in Hessen war. Jetzt bin ich in Westfalen-Lippe, Beiträge können nicht übertragen werden, weil ich jetzt knapp älter als 45 bin (Diskriminierung im Alter?? Warum eigentlich???) - jetzt ist dritte Rentenalter aktiv. Wenn ich wieder wechsele - dann kommt unter Umständen das vierte Renteneintrittsalter dazu - oder krieg ich jetzt aus Hessen ab 65 den Rentenanteil auch bezahlt, weil ich wegen der "Rentenlücke" anderer Versorgungswerke noch arbeiten muss? Konnte mir bisher keiner beantworten und für meine Widersprüche gegen die erzwungenen Wechsel habe ich mir rechtliche Belehrungen eingefangen.
frusti am Dienstag, 17. August 2010, 18:28
problem dieser rentenlücke für ärzte nicht wirklich existent, weil
die meisten häuser froh über jeden sind, der bei ihnen länger arbeiten will, weil die jungen a) nicht kommen b) anspüche stellen c) evtl. schneller weg sind,als die tinte trocken ist (es gibt mittlerweile nicht wenige ärzte, die in der probezeit von sich aus kündigen....
. wenn die kh also einen altgedienten fa/oanicht verlängern, wird das gründe haben (beginnende demenz, häufiges kranksein, altersstarsinn). da bleibt immer noch die gelegentlich praxisaushilfe, um die lücken zu füllen. ich arbeite in einem ausländischen urlaubsgebiet (arbeiten, wo andere urlauben) und sehr viele der rückholer docs sind graumeliert und etwas langsamer unterwegs ....
doggi am Dienstag, 17. August 2010, 14:19
Welcher Angestellte hat einen Vertrag länger als 65. Geburtstag ?
Was bei diesem Thema noch gar nicht (auch nicht in der allgemeinen Presse) diskutiert wurde: was ist mit denjenigen Arbeitnehmern (AN), die (Glück für sie) einen Arbeitsvertrag haben, der - angepaßt an die alter Renten-Spielregel - mit Erreichen des 65. Geburtstages endet? Dann steht der AN auf der Straße und bekommt erst (je nach Geburtsjahrgang) zu einem späteren Zeitpunkt (die volle) Rente. Will er Rente mit 65 (im Anschluß an sein Arbeitsverhältnis) beziehen, so wird er einen monatlichen Rentenabschlag hinnehmen müssen. Will er volle Rente (ab seinem jahrgangsabhängigen Stichdatum, spätestens mit 67) beziehen, muß er nach dem 65. Geburtstag weiterarbeiten (wo?) und Beiträge zahlen. Diese Lücke dürfte zahreiche angestellte Ärzte (Facharzt, Oberarzt) betreffen, die einen Vertrag bis zum 65. Geburtstag haben. Dies könnte z.B. ein Thema für Verhandlungen von Gewerkschaften und Arbeitgebern sein, falls der Gesetzgeber die Lücke nicht schließt. Dabei haben wir als Ärzte noch recht gute Chancen, uns bis zum Stichtag des vollen Rentenbezugs (also jenseits der 65) mit nichtangestellten Tätigkeiten über Wasser halten zu können..... Falls die Medizinlandschaft sich bis dahin nicht dahingehend entwickelt hat, daß wir auch unter Hinnahme eines Rentenabschlags gerne mit 65 Rentner werden..... Weiß da jemand etwas zu der von mir aufgezeigten Lücke am Ende des Erwerbslebens ?
promisit am Dienstag, 17. August 2010, 11:03
Politiker........
Ab sofort plädiere ich für eine Tätigkeit der Politiker bis zum Erreichen der Leistungsgrenzen bei ab der Tätigkeit beginnendem jährlich um 2 % sinkendem Gehaltsanspruch und Diäten. Es ist eine Unverschämtheit, das Volk bis kurz vor Lebensende zur Arbeit zu zwingen oder auf Rentenansprüche, während die Konstrukteure dieser Gesetze sich laufend mehr Ansprüche bei weniger Tätigkeitszeit genehmigen.

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