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Polarpsychiater – 10.05.2010

Patient im norwegischen Gesundheitssytem

Lange Sommerpause, entgegen meinem Vorsatz werde ich jetzt persönlich, dieses eine Mal jedenfalls.

Ich wurde selbst Patient im norwegischen Gesundheitssytem.

Die jährliche Kontrolle zeigte schon im Juli einen deutlich erhöhten Druckgradienten an der erkrankten Aortenklappe. Zusätzlich fand sich ein Aneurysma der Aorta Ascendens so daß der Klinikkardiologe Zurückhaltung im Sport empfahl und eine Klinikdiagnostik anstrebte.

Vor 4 Wochen flog ich nach Tromsö, in der dortigen Uni-Klinik wurde die Diagnose bestätigt und präzisiert, eine präoperative Angiografie bestellt, die nun durchgeführt wurde, Resultat: ok.

Jetzt bleibt nur noch die Operation, wenn mir die Schweineinfluenza – Stichwort: Respiratorplätze – keinen Strich durch die Rechnung macht.

Das System: Seit der Anstellung in Norwegen bin ich auch dort krankenversichert. Es gibt in meiner Anstellungsform maximal eine Jahr volle Lohnfortzahlung, bis zu 16 Tage im Jahr kann man sich selbst krankmelden.

Alle Medizin oder Fahrtkosten oder Selbstbeteiligungen (circa 32 Euro für einen Facharztbesuch) muß man bis zu einem Betrag von etwa 200 Euro selbst tragen, alles darüber ist dann in dem Jahr frei. Für die Flüge muß man nicht selbst aufkommen, man bekommt eine Referenznummer, mit der man bei einem Reisebüro telefonisch die Reise bestellt.

Norwegische Krankenhäuser sind, wie auch im sonstigen Leben, recht wenig geprägt von hierarchischen Kulturen. In dieser Welt ist der Chef, Professor oder Leiter sachkundig, erfahren, bescheiden, man respektiert ihn deshalb und eventuell auch, weil er außerdem  z. B. sein Haus teils selbst reparieren kann, nicht aber nur wegen seines Titels oder seines Einkommens oder übermäßig wegen seines Status.

Deshalb scheint aus skandinavischer Sicht in Deutschland die Zeit stehen geblieben zu sein; in übrigen habe ich nicht ein einziges Mal eine Situation erlebt, in der es an Respekt fehlte.

Schneller Vorlauf:

Die Operation wurde schließlich zwei Wochen später durchgeführt, s.o. und ist richtig gut gelungen. Mit Ambulanzflug nach einer Woche ins Heimatkrankenhaus, anschließend Reha, Training, Physiotherapie etc. Inzwischen arbeite ich wieder.

Der Winter war unüblich kalt, im hiesigen Küstenklima gab es harte Wechsel, so z. B. zwei Tage Regen nach zwei Wochen bis -24 Grad, dann wieder -20 Grad.

Ohne Spikereifen geht nichts, wenn auch immer gut geräumt wird. Was geht, ist der Ski-Langlauf, überall gibt es beleuchtete, gespurte Bahnen, jeder Ort hat sowas zu bieten, wer es wagt geht mit breiteren Ski in die Natur, das ist schon ein Erlebnis in dieser Stille, Kälte nur mit Elch-, Reh- und selten auch Luchsspure, die vom Winterleben zeugen. Ein unvergeßliches Erlebnis.


Leserkommentare

Dr.Orszagh am Dienstag, 18. Mai 2010, 14:47
Arbeiten im Norwegen als Assist.Arzt
wie kommt man zu einer Arbeitsstelle als Arzt in Norwegen? Wo man anfangen soll, ist eine Facharztprüfung aus Deutschland akzeptiert oder muß nan die Prüfung dort ablegen?

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