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Dr. werden ist nicht schwer... – 17.05.2010

Was spricht für Deutschland?

Mein Bewerbungsprozess zieht sich mehr, als ich es mir vorgestellt hätte. Nachdem ich bereits einige Vorstellungstermine hatte und weitere folgen, stellt sich mir mehr und mehr die Frage, wohin die Reise gehen soll. Den Osten des Landes habe ich aus mehreren Gründen beinahe komplett außen vorgelassen. Leider gehört auch nicht zuletzt die Gefahr (pseudo)polititsch motivierter Gewalt dazu. Dennoch bleiben viele Entscheidungen wie: „Provinz oder Metropole?“, „Berge oder Meer?“, „Deutschland oder Ausland?“.

Leider bin ich in vielen Punkten noch unentschieden. Mir ist es wichtig, eine gute Ausbildung zu erhalten, an einem Haus mit aktuellen Standards zu arbeiten und nicht als Stütze für den Moment, sondern als Investition in die Zukunft gesehen zu werden.

Es gibt auch Stellen im Ausland, die mich ansprechen. Warum sollte ich hier bleiben, wo doch in Studium und PJ die guten Eindrücke nicht überwogen? Liefert mir Argumente, warum ich trotz GEZ, FDP und GKV in Deutschland bleiben sollte. 

Dankt Euch im Voraus,

Euer Anton Pulmonalis


Leserkommentare

kleine_Nummer am Dienstag, 15. Juni 2010, 12:08
@joerg & Facharzt 2007
Bin im Moment für 12 Monate in Neuseeland, weil die Mühlen daheim ein Familienleben (wir sind zu 5) unmöglich machten (Hatte jede 3. Nacht Dienst und die WE waren Freitag morgen bis Montag abend im Rufdienst (offiziel)).

Aus meiner Sicht sollte jeder Arzt einen Teil seiner Ausbildung im Ausland verbringen, da es den Horizont (medizinisch und auch sozial) erweitert. Der Zeitpunkt wann man dies angeht ist von vielen Faktoren abhängig, die jeder für sich entscheiden muß.
Leicht ist es nie Freunde und Familie zurückzulassen.

Ja der Traumjob wartet nirgends, aber weltoffene Ärzte werden im Moment überall gesucht.

Aus meiner Sicht ist die operative Ausbildung in D gut, aber verlangt im Gegenzug viel Hingabe/Aufopferung. Operieren ist halt 'Handwerk' und das lernt man nur durch operieren und assistieren (und Nachlesen von Varianten/Alternativen).
Die klinische Ausbildung ist bei mir (war sowohl an einer Uni Klinik, einem kleinem Haus und einem Lehrkrankenhaus) im vgl. zu NZ nicht existent gewesen. Dafür behersche ich z.B. Ultraschall, was hier an die Radiologen abgegeben wird.
Somit kann ich jedem angehenden Chirurgen nur empfehlen eine gute Zeit in D zu malochen und dann ein anderes System/Optechniken/Besteck im Ausland kennenzulernen (und die korrekten Arbeitszeiten zu geniesen).
Ein angehender Allgemeinmediziner/Hausarzt mit Ziel Niederlassung hat aus meiner Sicht sicherlich mehr wenn er frühzeitig im Ausland seine Untersuchungstechniken verfeinert und anschliessend in D die diagnostischen Möglichkeiten wertschätzt und den Einsatz kritisch begutachtet.

Wenn die Arbeitszeiten nicht genehm sind, nicht weinen, sondern Umschauen, weggehen, wenns schlimmer ist, zurückgehen, wenns besser ist sich freuen.
Gruss aus dem kalten NZ.

joerg.daehn am Montag, 7. Juni 2010, 09:17
@Facharzt 2007
Also ich würde aus eigener, 3maliger Erfahrung (2001, 2002/03 und 2006/07) behaupten, dass die Medizin in der Schweiz der deutschen an Professionalisiserung und Qualität eindeutig überlegen ist. Aber die geben halt auch mehr für die Gesundheit aus (12-13% BIP statt 10-11%).

Die Krankenschwestern sind auch deutlichselbstständiger und fitter und für das Begleiten des Pat. zur Toilette und das Servieren des Essens gibt es die nicht ganz so teuren Pflegehelferinnen.
adonis am Mittwoch, 2. Juni 2010, 11:29
Afghanistan
Da werden gerade viele Kollegen bei der Bundeswehr gesucht. Nachdem unser Gesundheitsminister ja lieber den Dienst in der Politik vorgezogen hat. Ist ja auch viel ungefährlicher und bequemer.
Facharzt2007 am Freitag, 28. Mai 2010, 14:05
Bleib in Deutschland !!!
Hallo Anton,
zufaellig habe ich deinen Blog kurz gelesen, und fuehle lich von deiner Frage provoziert, warum DU als Arzt in Deutschland bleiben sollst. Dieses Frage stellt sichja so nicht, sondern eher, warum Du meinst dass Du im Ausland eine Chance haettest. Ist ja nicht so, dass die ganze Welt gerade die Super Stelle fuer Dich seit Jahren reserviert hat; Als deutscher Facharzt im europaeischen Ausland taetig, sage ich nur, dass eine Stelle in Deutschland besser ist, als eine unbekannte Medizin im Ausland auszuprobieren. Wie immer im Leben, melden sich die ganzen Rueckkehrer ja nicht im Forum etc. kEINER WILL ZUGEBEN? dass die in Deutschland angewandte Medizin um Lichtjahre den anderen Laendern voraus ist, und ich spreche aus Erfahrung !!!
Suche Dir schnell eine Stelle in Westdeutschland und halte durch, denn wer weiss wie lange noch der scheinbare Aerztemangel gilt. Die Nicht-Aerzte koennen und werden alle freien Aerztestellen besetzten. der Aerztevorbehalt gilt nur in der Theorie. Im wahren Leben wird in den meisten Faellen der Patient vom Pfleger aufgenommen. In den Hausarztpraxen ist es eh scho EBBE; Hausaerzte leben inzwischen auf Hartz IV Niveau. Ich empfehle Dir eine Management ausbildung im AUsland, dauert ca einJahr zum MBA und dann als Direktor einer privaten Klinik billige auslaendische Aerzte im 3 Monatstakt austauschen. Hire and Fire. Deutschland ist schoener als das unbekannte Paradies...Gruss vom Facharzt
joerg.daehn am Mittwoch, 19. Mai 2010, 10:13
Wie wäre es mit der Schweiz oder Skandinavien?
Ich war 3mal in der Schweiz (PJ, "AiP" und später noch 1a) und es hat mir immer gut gefallen. 3-4 Studienkollegen sind heute auch in Skandinavien zu finden. Ein Jahr dort kann nicht schaden, es erweitert den Horizint immens.
Erbsenzaehler am Mittwoch, 19. Mai 2010, 01:05
"Was spricht für Deutschland?"
Da fragst Du noch? Nichts!
dr_kathrin_grosse am Dienstag, 18. Mai 2010, 01:01
Leben in England wirklich besser?
Ich hab einen deutschen Facharzt in Psychiatry und bin danach nach England gegangen. Arbeite Vollzeit in der Alterspsychiatrie. Ich kann sagen, das aller Unsinn, der in Deutschland gemacht wird, zuvor in England erfunden wurde. Die Ausbilding ist staerker strukturiert und die jungen Leute sind besser behuetet. Ihnen fehlt dadurch aber die Moeglichkeit, genug eigene Erfahrungen zu sammeln. Waehrend wir in D EINE FA-Pruefung gemacht haben, die 150 EU gekostet hat, muss man in E bis zu 4 Pruefungen machen, von denen eine um die 800 PF kosted. Die Druchfallquote ist hoch und nicht alle beenden ihre Ausbildung. So kommt es dass am Ende Fachleute aus dem Ausland eingekauft werden muessen, die in E die Loecher stopfen. UND dieses Land ist kahl. Es gibt keinen Wald in England.
Moonlight am Montag, 17. Mai 2010, 22:27
kein schoenes Leben in UK
Lieber Anton

Wenn du schon unbedingt weck willst, dann niemals nach England, der Gesundheitsdienst NHS ist mörderisch schlecht, so das man wirklich sein Leben verlieren kann, die Uni. s bilden manchmal auch nicht unbedingt gut aus und arbeiten in einem zu tiefst kapitalistischen Land ist auch nicht jeder Manns Sache, den die Bezahlung in diesem Land kann sehr schlecht sein und das trotz Mindestlohn.
Die Gewerkschaften in diesem Land wurden durch die eiserne Lady regelrecht zur Strecke gebracht, alles in Allem würde ich diesem Land die Note 5-6 geben.

LG

Moonlight
gschneid am Montag, 17. Mai 2010, 20:37
.....
Lieber Anton,
Ehrlich gesagt, wenn Du am Anfang Deiner Karriere stehst, keine Familie hast, die versorgt und organisiert werden muss, keinen absolut festen und oertlich unverzichtbaren, engen Freundeskreis hast, spricht leider nix fuer den Verbleib in Deutschland.
Fuer fast alle Facetten des aerztlichen Berufes sind die Bedingungen im Ausland besser: USA mehr Geld bei vermutlich besserer Ausbildung, GB: etwas mehr Geld bei sicher besserer hands on Ausbildung, Schweden: weniger Geld, aber deutlich bessere Life work balance, oder sonstwo, wo man die genannten Dinge irgendwie kombiniert. Also, good bye.
Gruss
Jan

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