10/53

praxisnah – 25.03.2010

Qualitätssicherung

Die Qualitätssicherung nach DIN ISO 9001 verfolgt uns überall, steht auf Krankentransportwagen und Krankenhausbroschüren. Da gehört sie auch, denn wir sorgen uns um das höchste Gut der Menschen, die Gesundheit. Aber ist es auch für unsere Patienten ausschlaggebend?

Heute morgen gehe ich in das Herzkatheterlabor, um einen jüngeren Mann zu untersuchen, der seit Wochen an thorakalen Schmerzen leidet. Seine erste Frage lautet nicht, ob ich allen Vorgaben zur Qualitätssicherung Genüge getan habe, sondern er stellt die simple Frage: Wie geht es Ihnen?

Ich bin perplex. Das hat mich noch keiner gefragt. Eigentlich hat er völlig recht. Würde ich mich selbst von einem Arzt untersuchen lassen, dessen Vitalparameter als bedenklich einzustufen sind, weil durch nächtliche Einsätze abgerieben? Würde ich mich von einem chirurgischen Kollegen zu fortgeschrittener Stunde operieren lassen wollen, der bereits mehrere Hundert Fäden geknüpft hat? Kann ich einer Differentialdiagnose trauen, die in der zwölften Sprechstunde im Sekundentakt entsteht?

Ich versichere meinem Patienten, dass ich ausgeruht und guter Dinge sei. Die Untersuchung verläuft problemlos mit einem guten Ergebnis für meinem Patienten. Alle sind zufrieden, und ich habe wieder etwas gelernt: Sollte ich mich in die Hände eines Kollegen begeben, werde ich ihm ebendiese Frage stellen.


Leserkommentare

Businesspaar am Samstag, 10. April 2010, 11:12
Qualitätssicherung
.... man stelle sich nur vor, besagter Patient meinte mit seiner Fragestellung nicht nur das physische Befinden sondern auch noch die wirtschaftliche Situation ...

Wie groß wäre erst da das Erstaunen? :-))

Herzlichste Grüße aus Elbflorenz

Bookmark-Service:
10/53
praxisnah
Frau Doktor
Börsebius
Britain-Brain-Blog
Das lange Warten
Dr. McCoy
Dr. werden ist nicht schwer...
Gesundheit
Gratwanderung
Lesefrüchtchen
Sea Watch 2
Pflegers Schach med.
PJane
Polarpsychiater
Praxistest
Res medica, res publica
Studierender Blick
Unterwegs
Vom Arztdasein in Amerika