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Lesefrüchtchen – 11.03.2010

Pharmaindustrie: Verlogener Aufschrei

Die Interessenvertreter der Pharmaindustrie geben sich empört über den von 6 auf 16 Prozent aufzustockenden "Pharmasoli", den die Regierungskoalition, sofern sie nicht der Mut verlässt, auf den Weg bringen will. Der Aufschrei kommt routinemäßig und erscheint verlogen.

Einmal, weil die Pharmalobby in Gesetzgebungsverfahren immer noch ihre Schutzengel rekrutieren konnte, und so wird´s auch beim "Pharmasoli" nur halb so schlimm kommen.

Zum anderen aber: Die von Bundesgesundheitsminister Rösler mittelfristig geplante Lösung für die Arzneimittelpreise kommt der Industrie sehr entgegen. Denn ab 2011 sollen Krankenkassen und Hersteller über die Preise neuer Produkte verhandeln. Da hat die Industrie die besseren Karten. Denn wie wollen die Kassen den Nutzen eines als innovativ angepriesenen Medikamentes, das sie noch gar nicht kennen, bewerten?

Hier müsste Dr. Rösler, wenn er wirklich die Preise drücken will, nachbessern. Etwa so, dass mit der Zulassung durch das BfArM zugleich eine erste Kosten-Nutzen-Bewertung z. B. durch das IQWIG erfolgt. Daraufhin könnte eine vorläufige Verwendung im Rahmen der GKV ausgesprochen (oder auch verweigert) werden. Nach der Markteinführung müßte nachjustiert werden. In diese Richtung zielt denn auch ein Vorschlag des Bremer Gesundheitsökonomen Prof. Gerd Glaeske (Berliner Zeitung vom 11. 3.).

Übrigens: Die leidige Diskussion über Innovationen, Schein-Innovationen und Me-too-Präparate würde sich erübrigen, wenn es den Arzeimittelherstellern gelänge, gelegentlich echte Neuheiten auf den Markt zu bringen. Die hätten den vollen Patentschutz und angemessene, auch hohe Preise verdient.


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