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Dr. werden ist nicht schwer... – 05.03.2010

Bitte Lächeln

Wie gut, dass ich meine Freundin gebeten hatte mitzukommen. Sonst hätte ich vermutlich derart altbackene Bewerbungsfotos erhalten, dass meine Bewerbungsmappe als Angriff auf den Chefposten einsortiert worden wäre. Doch glücklicherweise wusste meine Freundin besser als die Fotografin wie man das macht. Unfassbar, oder?

Wäre ich alleine dahin gegangen, wäre das wie folgt gelaufen:

Ich gehe rein, werde gefragt, ob ich ein hochkant klassisches oder quer modernes Bild haben mag. Natürlich sagt mir derlei nichts, da ich noch nie… Also hätte ich mich zum quer modernen bequatschen lassen (das wäre Fehler Nr. 1 gewesen).

Dann hätte die junge Fotografin mich hingestellt und ein paar ziemlich steif wirkende Bilder von mir mit durchgedrücktem Rücken gemacht (Fehler Nr. 2). Diese hätte sie mir aufgeschwätzt und ich wäre mangels besseren Wissens davon ausgegangen, dass es mit mir einfach nicht besser geht (Fehler Nr. 3 und 4).

Doch es kam alles anders:

Oben genannte Fragen stellte die Dame wirklich. Auch der Versuch, mich hochkant abzulichten und mir diese Bilder als gelungen zu verkaufen fand wirklich statt. Nur war ich – wie bereits erwähnt – zum Glück nicht allein. Meine Freundin bestand nach den ersten zwölf fürchterlichen Aufnahmen darauf, dass wir es im Sitzen probieren (an dieser Stelle sei auch erwähnt, dass sie das bereits zu Beginn vorschlug). Am Ende hatte ich ein Bild der Marke hochkant modern.

Ansatzweise glücklich verließ ich den Laden und verließ mich auf das Versprechen auf das angekündigte Retuschieren. Als ich meine Bilder nach dem Abholen zu Hause betrachtete fiel mir darauf ein Muttermal auf, das ich nie hatte. Ob es nun ein Schnitt vom Rasieren war oder ein Fehler bei der digitalen Bearbeitung war mir egal: das Ding musste weg!

Also rief ich im Fotostudio an und bat um Korrektur. „Kein Problem, das machen wir, Sie können die Bilder heute Nachmittag abholen“, teilte man mir mit. Leider rückte man mir die Bilder nicht raus, da ich die fehlerhaften nicht mithatte. Hätte ich mir denken können, hatte ich aber leider nicht. Was mich jedoch verärgerte war, dass man es nun bevorzugte, mich wieder wegzuschicken anstatt Kulanz walten zu lassen. Diesen Ärger tat ich dummerweise auch noch kund, was eine Diskussion nach sich zog.

Als ich am nächsten Tag die Bilder abholte versuchte man überflüssigerweise, mich zu „informieren“. Darüber, dass die alten Bilder für das Finanzamt gebraucht werden (am Vortag hieß es noch man werfe die Bilder lieber selbst weg) und man alle Kunden gleich behandeln müsse. Da ich beides als Lüge entlarven konnte, war ich froh, mit guten Bildern und einem schlechten Eindruck vom Fotostudio davongekommen zu sein.

Sieht nämlich doch nicht so schlimm aus,

Euer Anton Pulmonalis


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