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Dr. werden ist nicht schwer... – 05.02.2010

Approbation: Mission impossible!

Der Weg zur Approbation war für mich nach dem Examen mit einigen Ärgernissen gepflastert. Natürlich ist die Schuld dafür hauptsächlich bei mir zu suchen. „Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben“, sagte einst Friedensnobelpreisträger Gorbatschow. Da lag er richtig.

Ich hatte keine Eile mit dem Antrag und hatte mir die nötigen Dokumente nach und nach zusammengesucht und sie somit nicht direkt eingereicht, das brachte mir einen Brief vom Landesprüfungsamt ein, welches erneut ein aktuelles Führungszeugnis verlangte. Mein Ärger aber fokussierte sich auf die übrigen Forderungen.

So sollte ich auch mein ärztliches Attest erneut einreichen, da dieses nicht auf dem Originalformular geschrieben, sondern von meinem Hausarzt im Originallaut auf einen Bogen im Praxislayout übertragen wurde. So lief ich ein drittes Mal wegen des Antrags in die Praxis. Beim ersten Mal hatte ich mir das Dokument geholt und beim zweiten Mal musste ich den Praxisstempel ergänzen lassen, da das Landesprüfungsamt kein Dokument ohne Stempel annimmt (zu diesem Thema hätte ich noch einen nützlichen Link). Zudem sollte ich doch bitte in meinem Lebenslauf ergänzen, was ich seit meinem Examen gemacht habe. 

„Weshalb zum Henker benötigt ein Amt solche Angaben?“, wollte ich dann auch beim Nachreichen von der Dame im Landesprüfungsamt wissen (wobei ich mir den Henker lieber dachte). Dort erfuhr ich, dass Lücken von über drei Monaten zu schließen sind (was übrigens aus dem Antragsformular nicht hervorgeht). Da das weder meine Frage beantwortete noch meinen Ärger verfliegen ließ, fragte ich nach, wozu diese nachträglich angeforderten Informationen nützlich sein sollten.

Der Dame fiel erst nach ein wenig Nachdenken ein, dass es ja sein könnte, dass ich das vergangene Jahr im Gefängnis verbracht hätte, wie sie mir in triumphierendem Ton berichtete. Ich verzichtete darauf, zu entgegnen, dass ich doch soeben ein aktuelles polizeiliches Führungszeugnis eingereicht hätte. In dieser Situation gab es keinen Gewinn, den Argumente hätten einfahren können.

So reichte ich alles zusammen mit meinem unsauber gedruckten Zeugnis ein, mit der Bitte, dieses neu anzufertigen. Ich musste nur noch angeben, an welche Adresse meine Post gehen soll. Vermutlich war die Mitarbeiterin im Landesprüfungsamt noch durch meinen Forschergeist derart verwirrt, dass sie mir nicht mitteilen konnte, dass ich die Dokumente nur gegen Vorlage des Ausweises persönlich entgegennehmen könnte und notierte sich stattdessen einfach die Anschrift meiner Eltern, weshalb diese sich nun über einen aktuell nicht geplanten Besuch meinerseits freuen durften. 

Zu guter letzt hatte das Landesprüfungsamt ein Bonbon für mich: die Bearbeitung des Ganzen koste mich die Gebühr von über EINHUNDERTFÜNFZIG (!!!) Euro. Das entlockte mir spontan ein paar wenig druckreife Beamtenbeleidigungen. Irgendwie wundert es mich sehr, dass in Schulen mehr Amokläufe passieren als auf Ämtern.

Geht jetzt noch ein wenig fluchen, 

Euer Anton Pulmonalis


Leserkommentare

Hella am Freitag, 19. Februar 2010, 12:46
St. Bürokratius, der deutsche Schutzpatron
1988 war für die Approbation ein Staatsbürgerschaftsnachweis nötig, in NRW und BW genügte eine beglaubigte Kopie des Passes. In Rheinland-Pfalz mußte man Wohnsitze vom Antragsteller und seiner Vorfahren ab 1914 auflisten, nur 1939-45 wurde mit Kulanz behandelt; diese Nachweise wurden überprüft, weshalb unser Jahrgang 4 Monate vor dem Examen den Staatsbürgerschafts-nachweis beantragte, um ihn rechtzeitig parat zu haben. Über den Rhein hingegen...s.o.
Gibt´s diesen Unsinn heute noch ?
joerg.daehn am Mittwoch, 10. Februar 2010, 13:45
Noch besser wird's
mit der Anmeldung zur Facharztprüfung und hernach mit der Anerkennung als Kassenarzt: da in -Niedersachsen zumindest- KV und ÄK nicht mehr zusammenarbeiten, kann man jeden Scheiss erst bei der ÄK einreichen, nur um ihn dann (ein paar Monate später) nochmals für die KV einzureichen.

So wird -auch in den jeweiliegen Abteilungen- die gleiche Arbeit doppelt und dreifach gemacht. Kafka hätte seine Freude an solchen Verhältnissen.

Besser wäre eine zentrale Zertifizierungstelle, die für Fakultät/Uni, LPA, ÄK und KVN die Daten sammelt und den Bewerber dann für alle Stellen als tauglich oder untauglich erklärt.



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