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praxisnah – 21.01.2010

Nervenaufreibend

Heute bin ich im Herzkatheterlabor. Diese Arbeit ist immer wieder eine nervenabschleifende Herausforderung, bin ich doch dazu verdammt, alle Komplikationen, über die ich den Patienten im Vorfeld genau aufgeklärt habe, nicht eintreten zu lassen. Bei 100 Prozent Erfolg, versteht sich von selbst.

Niedergelassene Ärzte sehen ihre Patienten immer wieder, und nichts hält sich fester im Gedächtnis der Patienten als eine nicht gelungene invasive Untersuchung und Therapie.

Ich muss einen Patienten untersuchen, den ich vor etlichen Jahren aufgrund einer schwersten Koronarerkrankung zur Bypass-Operation schicken musste. Die Untersuchung ist kompliziert, die Beckenarterie torquiert, der Katheter nur knapp zu platzieren. Schweißgebadet führe ich die Untersuchung durch.

„Das hat aber beim ersten Mal nicht so weh getan!“ Ja, das liegt leider an einer Vernarbung vor der Leistenarterie und der Schleifenbildung in der Beckenarterie. „Sie haben einen Fehler gemacht!“

Schon galoppieren Gutachterkommission, Rechtsanwälte, Schmerzensgelder an meinem geistigen Auge vorbei. Ausführlich erkläre ich dem Patienten nochmals den gesamten Sachverhalt, zeige ihm den Katheterfilm.

Die Untersuchung war schwierig, aber einen Fehler habe ich nicht gemacht. „Wie kommen Sie dazu, zu behaupten, ich hätte einen Fehler unterstellt? Das ist ja ungeheuerlich!“ Auf die eine oder andere Weise schleifen sich meine Nerven ab. Immer wieder.


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