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praxisnah – 21.12.2009

Weihnachtsgeschenke

Die Luft riecht nach billigem Glühwein und verbrannten Maronen, also ist es wieder an der Zeit, an all diejenigen zu denken, deren Lebensweg mit dem meinigen verflochten ist wie die Girlande mit der Weihnachtstanne.

Ich sitze nun in meinem steuerlich nicht absetzbaren Arbeitszimmer und überlege, mit welchen Aufmerksamkeiten ich die mir nah und fern stehenden Menschen erfreuen könnte. Im Jahr der Krise können aber meine Gaben nur sparsam ausfallen, daher habe ich beschlossen, Geschenke zu verteilen, die, ganz gemäß dem Gedanken des Weihnachtsfestes, große Zuneigung ausdrücken und einen tiefen Sinn transportieren.

Diesmal sollen es nicht die unzähligen Flaschen Wein sein, die den Geschmack des Adressaten treffsicher verfehlen; auch keine Bücher, deren Schicksal es ist, umgehend in Abstellkammern zu verstauben. Dieses Jahr habe ich mir etwas Besonderes ausgedacht: Ich verschenke Pillen.

Meinen Kindern werde ich Ginkgo-Dragees in Weihnachtspapier wickeln, auf dass die guten Taten ihres Vaters ihnen immer im Gedächtnis haften mögen. Allerdings verkneife ich mir, einige Tabletten Oxazepam dazu zu legen, die meine vielen schlechten Seiten mit dem gnädigen Mantel der Amnesie bedecken könnten. Ist ja nicht ganz indikationsgerecht.

Den frechen Neffen lasse ich  Johanniskraut-Kapseln zukommen, das wird ihren Nervenstoffwechsel stabilisieren und sie hoffentlich weniger aufmüpfig machen. Ulla Schmidt bekommt von mir etwas Dimenhydrinat, das ist heilsam gegen Komplikationen, die bei Reisen in ferne Länder auftreten. Ich muss nur aufpassen, dass das Verfallsdatum nicht überschritten ist.

Meinem Regelleistungsvolumen schenke ich etwas EPO, auf dass es sich prächtig entwickeln möge. Für mich selbst lege ich einen kardioselektiven Betablocker beiseite. Dieser dämpft meine sympathische Gegenregulation, wenn das besagte Regelleistungsvolumen trotz Doping nicht wachsen sollte.

Vielleicht sollte ich die Tablette aber halbieren und mit unseren neuen Gesundheitsminister teilen. Es könnte ja sein, dass er auch ein bisschen Dämpfung sympathischer Gegenregulationen benötigt, wenn er merkt, worauf er sich eingelassen hat.

Der Gesundheitsfonds bekommt von mir einen Blister Rimonabant. Man kann sich nicht früh genug auf den reduzierten Stoffwechsel der kommenden mageren Jahre einstellen. Zufrieden blicke ich über meinen fertig gestellten Gabentisch, der dieses Jahr zwar klein und bescheiden, aber mit weihnachtlicher Wärme gestaltet ist. Ich wünsche Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, ein wunderbares Weihnachtsfest.


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