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Dr. werden ist nicht schwer... – 30.12.2009

Chronische Leiden

Überall sind wir erreichbar. Das Telefon benötigt keine Schnur mehr und Post folgt uns digital in den Urlaub. Wer seinen Computer einschaltet, ist heutzutage automatisch online und eine Vielzahl von Programmen vernetzt uns mit Familie, Freunden, Bekannten, Kollegen und der übrigen Außenwelt. Leider bringt dieser Fortschritt auch Nachteile mit sich.

Waren es früher nur GEZ, Neckermann und der nächste Edekamarkt, die einem unerwünschte Informationen per Post zukommen ließen, sieht man sich heute von vielen Seiten angegriffen. Natürlich gibt es die Werbepost immer noch. Ich habe es über ein kostenloses Adapterteil für meinen mir mittlerweile gestohlenen iPod geschafft, als BOSE-Kunde geführt zu werden.

Seit Jahren bekomme ich sehr regelmäßig Post, die ein einziges Produkt bewirbt, aber weder die Beilage von Zinnengel, Steiffbär, zweiter Fernbedienung, klassischer CD oder Weihnachtskarussell noch diverse Rabatte haben mich weich werden lassen. Vermutlich kann mich BOSE bei Insolvenz verklagen, weil ich das Teil nicht gekauft habe. 

Klingelt mein Mobiltelefon ist es nicht unwahrscheinlich, dass mein eigener Telefonanbieter mir wieder eine Partner-SIM-Karte andrehen will. Haben die sich nicht notiert, dass meine Freundin mich kostenlos anrufen kann? Ich habe es ihnen zumindest oft genug gesagt. 

Täglich sortiert man trotz bester Spamfilter, die gerne mal im Gesunden entfernen , seine Mails. Mittlerweile haben Spamwerbungen für potenzsteigernde blaue Pillen und todsichere Anlagegeschäfte in Südafrika sogar Chatprogramme erreicht. Ich melde regelmäßig Fälle von Missbrauch.

Manchmal begibt man sich selbst in die Falle. Die Drogeriekette Schlecker bietet kostenlosen Versand bei Onlinebestellungen ab einem bestimmten Warenwert an. Sorglos bestellte ich den Newsletter mit.

Dieser ist therapieresistent. Trotz mehrmaligem Abmelden bekomme ich weiter Mails von Schlecker. Nur werden diese seltener. Ich vermute, dass man mit jeder Abmeldung auf einer neuen Verteilerliste landet, deren Sendefrequenz nach homöopathischem Prinzip abnimmt.

Auf Facebook stapeln sich die sinnlosesten Anfragen. Mittlerweile kann man sogar Schneeballschlachten virtuell führen. Das funktioniert so: man bekommt eine Nachricht, in der steht, dass jemand Dich mit einem Schneeball getroffen hat. Nun kannst Du per Klick einen Schneeball zurückwerfen, der eine ähnlich fiese Nachricht an den Verursacher zurückschickt. Der wollte es ja so… Ich könnte zwar bei diesen virtuellen Schlachten mitmachen, warte aber lieber, bis Schnee vor meinem Fenster liegt. Wäre vielleicht peinlich, wenn das Programm auf Wetterdaten Zugriff hat.

Bestimmt sind wir selbst Schuld an diesen chronischen Leiden. Dennoch eine Bitte falls je einer von Euch einen Spammer ausmachen sollte: falls Ihr ob Eurer ethischen Grundsätze oder Eurer Approbation Bedenken bezüglich Lynchjustiz haben solltet, zahlt es mit gleicher Münze heim.

Aber nicht digital! Bestellt ihnen alles, was es an kostenlosen Katalogen gibt. Lasst ihre Briefkästen bersten. Tragt sie in jede Postverteilerliste der Welt ein. Und stellt ihnen einen Nachsendeantrag, falls sie flüchten. Und vergesst nicht, den miesen Spammer bei BOSE und Schlecker anzumelden. Sicher ist sicher…

Schaut mal wieder, ob schon Schnee liegt,

Euer Anton Pulmonalis


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