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Lesefrüchtchen – 01.11.2009

Wie die Deutsche Bank sich das Gesundheitswesen vorstellt

Um die 90 Vertreter der "Leistungsanbieter", der sozialen wie privaten Versicherungswirtschaft und der Gesundheitsökonomie waren am 29. Oktober einer Einladung der Deutschen Bank zum Bankett ins "Manzini" gefolgt. Ein kleiner, einflussreicher Kreis.  Der Ort beziehungsreich: Über und neben dem "Manzini" in der Berliner Reinhardtstraße sitzt die Bundes-FDP.

Das Essen musste zuvor verdient werden: Deutsche Bank-Chefvolkswirt Professor Norbert Walter unternahm einen flotten Ritt durch die Gesundheitspolitik und umriss, wie sich die Bank (wenn man ihn mal als deren Sprachrohr nimmt) das Gesundheitswesen vorstellt. Wie? Um´s kurz zu machen: wie die FDP: Spürbare Selbstbeteiligung "für alle, auch für Beamte" (Walter), weg vom Sachleistungsprinzip, Markt-Orientierung der Leistungsanbieter ("Ich bewundere die Zahnärzte wegen ihrer Marketing-Kompetenz").

Walter verwandte sich für die Kopfpauschale  á la FDP und Teilen der Union, ärgerte sich indes über den Begriff ("Das falsche Wort für eine gutes Konzept") und rief dazu auf, den neuen Gesundheitsminister Rösler (FDP) zu unterstützen. Der ist soeben mit seinen Wettbewerbsvorstellungen allerdings bei Seehofer aufgelaufen. Das wird noch spannend.

Dr. Joachim Kartte von Roland Berger sieht die unternehmerische Zukunft der Leistungsanbieter im 2. Markt. Er sei als zusätzliche Geldquelle zu begreifen. Schon jetzt flössen dahin 60 Milliarden Euro p.a., weitere 16 Milliarden seien drin. Als Vehikel, den 2. Markt "abzufischen" (Karte), empfiehlt der Roland-Berger-Mann die Prävention.

Die soziale Seite des Gesundheitswesens blieb bei der Deutschen Bank ausgespart. Ist wohl nicht ihr Ding. Sie macht Politik zugunsten der Leistungsstarken im "Schlüsselmarkt der Zukunft" (Walter). Das Treffen im "Manzini" stand übrigens unter dem Motto "Health & Dine".


Leserkommentare

crefeld am Montag, 2. November 2009, 20:52
Wie die Deutsche Bank sich das Gesundheitswesen vorstellt
Ein Bravo an die Redaktion für ihren kritischen Bericht. Muss das öffentliche Arztbild unbedingt in Richtung "Geld allein macht glücklich" geschoben werden? Oder gibt es auch noch andere Werte für den Arzt?


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