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Gratwanderung – 15.09.2009

Organisierte Sterbehilfe: Keine Lösung für schwerstkranke Menschen

Im Schweizer Kanton Zürich ist heute (15. September) eine Vereinbarung über die organisierte Sterbehilfe in Kraft getreten. Mit dieser Vereinbarung zwischen der Oberstaatsanwaltschaft des Kantons Zürichs und der Sterbehilfeorganisation Exit geht es um die Einführung von „Standesregeln“ beim assistierten Suizid.

Mehrere Organisationen sehen darin, wohl nicht zu Unrecht, ein Druckmittel, um eine nationale gesetzliche Regelung und damit eine staatliche Anerkennung von Sterbehilfeorganisationen durchzusetzen. Die Frage ist auch, ob die Staatsanwaltschaft mit Exit überhaupt eine solche Vereinbarung schließen darf oder ob sie nicht vielmehr ihre Kompetenzen überschreitet.

Schwerstkranken Menschen sollte nicht durch einen organsierten Suizid geholfen werden. Vielmehr muss eine Gesellschaft alles tun, damit sie nicht das Gefühl bekommen, ihren Angehörigen zur Last zu fallen. Und dazu ist nur eine kompetente Betreuung und fürsorgliche Begleitung durch Hospizbewegung und Palliativmedizin in der Lage.


Leserkommentare

advokatus diaboli am Dienstag, 15. September 2009, 19:12
Das "Lastargument"
Beharrlich wird in der Debatte um die ärztliche Assistenz beim Suizid das untaugliche Argument bemüht, wonach es entscheidend darauf ankommt, dass schwerstkranke Menschen das Gefühl vermittelt werden müsste, dass sie ihren Angehörigen nicht zur "Last fallen". Dazu sei nur eine kompetente Betreuung und fürsorgliche Begleitung durch Hospizbewegung und Palliativmedizin in der Lage, wobei nach Auffassung mancher Ethiker es gerade daruf ankommen soll, einen Sterbewillen in einen entsprechenden Lebenswillen "abzuändern".

Die Befürworter dieses Arguments lassen zuvörderst hierbei außer Betracht, dass auch der schwerkranke Patient für sich einen Entschluss dahingehend fassen kann und vor allem darf, seinen Angehörigen nicht zur Last fallen zu wollen. Eine spezifische Ethik der Palliativmedizin, die dieses beharrlich verkennt, läuft zunehmend Gefahr, den Patienten für die Zwecke der Palliativmedizin zu instrumentalisieren. Eine Entwicklung, die nachhaltig zu kritisieren ist.

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