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Gratwanderung – 17.07.2009

Embryonenschutzgesetz: Weiterhin vorbildlich

Mit dem strengen Embryonenschutzgesetz ist Deutschland für einige EU-Länder zum Vorbild geworden. So orientierte sich beispielsweise die polnische Regierung bei der Vorbereitung ihres Fortpflanzungsmedizingesetzes am deutschen Modell.

Doch hierzulande stößt das Gesetz zunehmend auf Kritik. So fordern Reproduktionsmediziner schon seit Längerem ein Fortpflanzungsmedizingesetz, das die Fortschritte ihrer Fachrichtung berücksichtigt. Das ist in gewisser Hinsicht nachvollziehbar. 

Doch bei aller berechtigten Kritik ist es nicht hinzunehmen, dass bereits jetzt Ärzte das Gesetz umgehen. Und genau das ist offenbar häufig der Fall, wie „Die Zeit“ in ihrer Ausgabe vom 16. Juli berichtet. „Offenbar ignorieren Fortpflanzungsmediziner seit Jahren die strenge Auslegung des Gesetzes“, heißt es in dem Beitrag.

Dem Gesetz liegt die Annahme zugrunde, dass bereits mit der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle vollwertiges menschliches Leben beginnt. Und das zu Recht, denn bisher gibt es noch keine überzeugenden Argumente, die dagegen sprechen. Deshalb ist folgerichtig zum Beispiel die Präimplantationsdiagnostik verboten.

Das Gesetz ist sicherlich novellierungsbedürftig, doch es sollte – auch wenn in vielen Ländern sehr viel liberalere Regeln gelten – nicht seine grundsätzliche Vorbildfunktion einbüßen.


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