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praxisnah – 16.07.2009

Das Beste ist gerade gut genug

Ein neuer Patient kommt in meine Praxis. „Um das vorweg klar zu stellen, für mich ist das Beste gerade gut genug!“ Diese Feststellung wirft schwerste differenzialdiagnostische Probleme auf. Was meint er damit? Will er das Neueste? Das Bewährteste? Das Teuerste? Das Aufwendigste? Von einem viel oder von allem etwas? Wünscht er die universitäre Diagnostik unter Ausnutzung aller verfügbaren habilitierten Kompetenzen?

Dies wäre ein erhebliches Problem für mich, da die Wartezeiten in den Universitätsambulanzen sich über Wochen, gar Monate dilatieren können. Das erschwerte Eintreten in die Umlaufbahn der maximalversorgenden Kliniken ist den Menschen schwer klar zu machen.

Oder strebt er nach der pharmakologischen Rundum-Versorgung, der risikounadaptierten Polychemotherapie, der Polypille? Ich bin mir nicht sicher, ob er eine langatmige, aber erforderliche Aufklärung über die assoziierten Nebenwirkungen der Einzelsubstanzen schlicht als boshaft betrachten würde.

Drängt es ihn zur Apparatemedizin? Will er vom  Kopfhaar bis zum Fußnagel durch die Röhre? Auch hier müsste ich ihn über Strahlenbelastung exzessiver CT-Untersuchungen erst aufklären. Aus welcher Perspektive ich es auch betrachte, all das klingt nicht nach dem Besten vom Besten, sondern wie Stacheldraht im Gehörgang.

Wie er das meinen würde, so frage ich ihn zaghaft. „Ach, Herr Doktor, es wäre doch gut, wenn Sie ein EKG und eine Ultraschalluntersuchung machen könnten. Wenn diese unauffällig sind, wäre es für mich doch das Beste, oder?“ Heute ist ein guter Tag.


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