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Gratwanderung – 03.07.2009

Palliativmedizin – 90 Prozent der Medizinstudenten haben nicht die geringste Ahnung

Der beste Schutz vor ärztlichen Fehlern am Lebensende lässt sich nicht durch Patientenverfügungen erreichen, sondern nur durch eine flächendeckende und verpflichtende Ausbildung aller Medizinstudierenden in Palliativmedizin. Deshalb ist die Einführung der Palliativmedizin als Pflichtfach in das Medizinstudium letztendlich viel wichtiger als das Patientenverfügungsgesetz.

90 Prozent der Medizinstudenten hätten nicht die geringste Ahnung von Palliativmedizin, brachte es der Münchener Palliativmediziner Gian Domenico Borasio auf den Punkt. Der Bundestag sieht dies offenbar genauso. Jedenfalls haben die Abgeordneten das entsprechende Gesetz zur Regelung des Assistenzpflegebedarfs im Krankenhaus fast einstimmig verabschiedet. Doch es gibt leider auch Gegenwind.

So behauptet der Medizinische Fakultätentag, dass die Palliativmedizin bereits jetzt Teil der medizinischen Abschlussprüfung sei. Dem widerspricht jedoch nicht nur die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin vehement, sondern sogar bei den Medizinstudenten stieß diese Aussage auf massiven Widerspruch. Die Masse der Studierenden nehme die Palliativmedizin kaum wahr, betonte der Bundesverband der Medizinstudierenden.

Damit dies nicht so bleibt, lässt sich nur hoffen, dass das Gesetz am 10. Juli den Bundesrat passiert.


Leserkommentare

advokatus diaboli am Samstag, 4. Juli 2009, 08:46
Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen!
Es ist schon erstaunlich, dass sich der stets behauptete Widerspruch zwischen Patientenverfügung und Palliativmedizin hartnäckig hält. Sofern sich das therapeutische Ziel bei der Behandlung und Betreuung Schwerstkranker geändert hat, kommt die palliativmedizinische Begleitung zum tragen; diese ist selbstverständlich auch lege artis zu erbringen und sofern die Medizinstudenten (und in der Folge wohl auch Mediziner) hiervon "keine Ahnung" haben, ist dies ein unhaltbarer Zustand. Eine entsprechende Qualifizierung ist denn auch von nöten, wenngleich dieses Qualifikationsdefizit unabhängig von der Frage einer Patientenverfügung zu beheben ist, die zu verfassen trotz einer optimalen palliativmedizinischen Betreuung stets dem Patienten vorbehalten ist!

Hier sollte entsprechender "Druck" aufgebaut werden und hier könnte sich dann die BÄK sinnvoll einbringen, statt über die Sinnhaftigkeit eines Patientenverfügungsgesetzes und einem allgemeinen Patientenrechtegesetz zu philosphieren. Die Charta scheint ein Schritt in die richtige Richtung.

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