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Dr. werden ist nicht schwer... – 05.06.2009

Zum Arztwerden verdammt!

Manchmal kann man sich die Dinge im Leben nicht selbst aussuchen. Wie so manche Diagnose per Ausschlussverfahren erfolgt, so trifft mancher seine Entscheidung über den späteren Beruf nach demselben Prinzip. So gesehen bin ich mit der Arbeitsdiagnose „Arzt“ ins Studium gegangen und habe nach und nach Berufe ausschließen können.

Erst neulich überzeugten mich meine mangelnden Fähigkeiten davon, dass es mit einer kriminellen Karriere einfach nichts werden kann. Ich hatte mir den alten Polo meiner Freundin geliehen, um schnell ein paar Titel aus der Klinikumsbibliothek zu holen. Als ich zum Auto zurückkehrte schloss ich erst die Beifahrertür auf, legte die geholten Unterlagen auf den Beifahrersitz, packte meinen Rucksack vor selbigen und warf zuletzt noch meine Jacke auf die Rückbank. Und da meine Freundin mich immer wieder daran erinnert hatte, dass ein alter Polo keine Zentralverriegelung hat, drückte ich den Knopf in weiser Voraussicht runter und schloss die Tür.

Nun schritt ich wie ein routinierter Autofahrer zur Fahrertür und wollte eben diese öffnen, als mir einfiel, dass ich die Schlüssel während Einräumaktion in der Jackentasche verstaut hatte… Ebenso schlagartig wie diese Erkenntnis trafen mich die ersten Regentropfen. Nun gut, alles halb so wild. Ich ging zur Info des Klinikums und fragte, ob jemand einen Ausweg kennt. Die Dame am Schalter kannte die Situation und beschrieb mir die Lösung. Ich benötige eine Schlinge, welche ich… (ich werde die kriminell nutzbaren Teile der Information besser verschweigen).

„Licht am Ende des Tunnels!“, dachte ich mir und machte mich zur urologischen Station auf. So langsam machte mir die Sache beinahe Spaß. Schließlich hatte ich noch nie ein Auto geknackt. Dem angetroffenen Urologen konnte meine Misere nicht mal ein müdes Lächeln abringen. Dafür sind die Berufsgeschichten dieser Disziplin wahrscheinlich einfach mit einer oft komischeren Tragik behaftet. Er konnte mir zumindest verraten, mit welchem Katheterset es klappen könnte. Dieses erhielt ich von einer arg skeptisch schauenden - ich sehe in Lernphasen nämlich in etwa aus wie Robinson Crusoe (nur ohne Pierce Brosnan) - Schwester in der Notaufnahme.

Nun hatte ich alles was ich brauchte: das richtige Set und eine mündlich überlieferte Anleitung. Aber ich versagte kläglich! Ich kam mir so vor, wie man sich vermutlich vorkommen muss, wenn man sich als Assistent in der Anästhesie an seiner ersten Plexusblockade versucht und alle Welt zuschaut. Mir blieben Zuschauer zum Glück erspart, aber der Regen und die einsetzende Dunkelheit machten diesen Unterschied wett. Nach einer halben Stunde Halbkriminellendasein, rief ich einen Profi, der das sogar legal machen darf. Meine Freundin hatte für solche Fälle eine Notfallnummer zur Hand, womit ich sie auch noch zu allem Überfluss zur Mitwisserin machen musste.

Am Ende blieb mir das Erfolgsgefühl, einmal im Leben ein Auto geknackt zu haben, versagt und ich war um die Erkenntnis schlauer, dass ich meiner Ausschlussdiagnose einen Schritt näher gekommen war.

Euer (ehrlicher) Anton Pulmonalis


Leserkommentare

www.medizynicus.de am Mittwoch, 17. Juni 2009, 10:38
vielleicht ein wenig off topic, aber kennste den?
Ein Malermeister sucht einen neuen Mitarbeiter und fragt beim Arbeitsamt nach.
Handwerker sind gerade knapp, sagt man ihm, aber wir hätten da so ein paar arbeitssuchende Ärzte, einer ist übrigens Gynäkologe, sollen wir den mal vorbeischicken?
Ist Okay, sagt der Malermeister, ein Versuch ists wert...
Nach ein paar Wochen ruft der Herr vom Arbeitsamt mal an, um nachzufragen wie es gelaufen ist.
Prima, super, sagt der Malermeister, das ist unser bester Mitarbeiter! Neulich haben wir den zu nem Kunden geschickt, der war nicht zu Hause, da hat der ihm durch den Briefschlitz die ganze Wohnung tapeziert...

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