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Lesefrüchtchen – 19.04.2009

Staatsraison vor Menschenwürde

Obama hat manche seiner Anhänger dieser Tage enttäuscht. CIA-Mitarbeiter, die bei Verhören sogenannte harsche Verhörmethoden – gemeint ist Foltern – anwandten, werden nicht belangt. Sie hätten in gutem Glauben gehandelt.

Die Exkulpation, die merkwürdig vertraut anmutet, dürfte auch für die medizinischen Mitarbeiter – Ärzte, Psychologen – gelten, die sich an der Verhörpraxis beteiligten. Das hatte ein Bericht des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz  2007 nachgewiesen, der kürzlich durch gezielte Indiskretion bekannt wurde (vgl. den blog unter Gratwanderung vom 8. April 2009). 

Staatsraison geht offenbar vor Menschenwürde. Und Folterknechte fühlen sich gerechtfertigt, wenn ihnen amtlich bestätigt wird (in diesen Fällen durch das US-Justizministerium zwischen 2002 und 2005), dass Foltern zulässig ist. Wo bleibt das eigene Gewissen? Oder, im Fall der beteiligten Ärzte, die ärztliche Ethik? Was ist mit den Schreibtischtätern im Justizministerium? Wie rechtfertigen sich die Gremien der US-Ärzteschaft, die die Mitwirkung von Ärzten 2006 absegneten?


Leserkommentare

adonis am Dienstag, 21. April 2009, 17:41
Also bitte!!
Generell gebe ich dir völlig recht, eigentlich gehört die gesamte Bush-Administation von das Kriegsverbrecher Tribunal in Den Haag. Klar und ohne irgendwelche Diskussionen.

ABER:
Schauen wir doch mal in unsere jüngste Geschichte. Simbabwe hätte die DDR genauso abgewickelt. Die grössten Ver...... der DDR wurden laufen lassen und bekommen heute ihre Pension, während die kleineren Lichter, wie z.B. die Mauerschützen "gehängt" wurden.

Wollen wir also nicht ganz so ungerecht sein und wollen es anerkennen, dass Herr Obama wenigstens den Mut hat, die Dinge so zu bezeichenen wie sie sind. Wir wollen auch nicht vergessen, dass die USA einen beträchtlichen Anteil hatten am demokratischen Wiederaufbau Deutschlands nach dem Krieg und im weiteren Verlauf. Und es ist zu wünschen, dass die USA die Führung im Bereich Menschenrechte wieder aufnimmt. Der Anfang stimmt mich positiv.

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