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praxisnah – 17.04.2009

Urlaubstagebuch – Teil 6: Völkerkunde und Essgewohnheiten

Meine Frau und ich sitzen im Restaurant, ich stopfe mir beide Ohren mit den Fingern zu, was mir erstaunte Blicke des Kellners und missbilligende meiner Liebsten einträgt. „Was soll das schon wieder?“ will sie wissen. Ich kläre sie auf, dass ich Völkerkunde betreibe, ohne die Sprache zu hören.

Die Amerikaner reden unentwegt und essen mit dem Ellenbogen auf dem Tisch. Die Italiener reden noch mehr, nutzen aber ihre oberen Extremitäten für ballettartige Untermalungen ihrer Konversation. Was ihnen einen klaren Vorteil hinsichtlich ihres Body-Mass-Indexes einbringt, weil sie dann weniger essen können.

Die Deutschen reden nicht, sitzen dafür mit verkniffenen Mundwinkeln da und essen immer den Teller ganz leer. Und dort, das ist ein russisches Pärchen, er wird permanent von seiner Frau zur Sau gemacht, der arme Kerl.

Meine Frau dreht sich kurz zu dem letztgenannten Paar um und meint: „Dass der Mann eine arme Sau ist, finde ich nicht. Das ist kein Partnerkrieg, dass ist deren Vorspiel.“ Ich bin völlig überrascht. Wie kommt sie nur darauf? „Der Typ hört nicht auf zu lächeln.“


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