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praxisnah – 27.03.2009

Urlaubstagebuch – Teil 1: Am Flughafen

Meine Frau hat sich – trotz meiner Resistenzen – durchgesetzt und mich auf den Flughafen nach Transkontinentalien verschleppt. Dort angelangt, gehe ich im Kopf nochmal durch, ob ich alles eingepackt habe. Loperamid in subtoxischen Dosen, Antibiotika gegen feindliche bakterielle Attacken, Nasenstopfen gegen den badestrandimmanenten olfaktorischen Dreiklang, der da lautet: ranziges Sonnenöl, vergorener Kinderpipi, verwestes Frittenfett. Diclofenac gegen abgerittene Flugzeugbestuhlung, Aspirin gegen ausländische Alkohole – alles perfekt, ich habe alles dabei.

„Bitte lassen Sie ihr Gepäck nicht aus den Augen!“ mahnt der Flughafenlautsprecher. Geht mich nichts an, ich habe alles im Griff. „Herr Böhmeke, bitte kommen Sie sofort zum Abfertigungsschalter 207!“ Oh verflucht, ich habe das Handgepäck mit der gesamten Reiseapotheke dort vergessen! Panik ergreift mich. Die Sicherheitsleute werden bestimmt den Koffer kontrollieren. Bohrende Fragen stellen, warum ich den Rasierer vergessen, dafür aber Dutzende Antibiotika eingepackt habe. Sie werden mir Terroristik unterstellen, wenn ich auf Touristik plädiere.

Der Urlaub ist bereits final, bevor ich Transkontinentalien erreiche. Ich eile zum Schalter und bekomme dort von der freundlichen Angestellten meinen Koffer ausgehändigt. Ganz ohne Sektion. Niemand interessiert sich für meine extensive pharmakologische Ausstattung. Entgegen meinem beharrlich gepflegten Vorurteil scheinen Produkte der deutschen Pharmazie international als vollkommen unbedenklich zu gelten. Geradezu unterroristisch. Hätte ich nie für möglich gehalten.


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