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Polarpsychiater – 02.02.2009

Wie es dazu kam...

Seit 4 Jahren arbeite ich als Psychiater am Polarkreis. Nachdem die Fachsituation in Schweden aufgrund von Kürzungen für mich untragbar geworden war, entschloß ich mich nach Norwegen zu wechseln.

In der Nähe des Polarkreises stieß ich auf einen "Volksstamm", der mich unerwartet an meine rheinische Heimat erinnert. Man kann etwas zu spät kommen, keiner regt sich auf. Man scherzt im Alltag, man ist angenehm respektlos: Wir sind freie Fischer und Bauern, so etwas wie einen Adel gab´s hier nicht und der König ist in Oslo, also 1000 Km weg!

Das "Geständnis" eines Regierungschefs (er war depressiv) löste in den Neunzigern ein 15 Jahre währendes Investitionsprogram in der psychiatrischen Versorgung aus, bis Ende 2008. Doch es fehlt weiterhin qualifiziertes Fachpersonal, Psychiater, Psychologen, vor allem hier im Norden, d. h. nördlich von Trondheim. Im Blick auf den Arbeitsvertrag ist Norwegen eine Zeitmaschine in die 70er-Jahre, 37,5 Std-Woche, Überstunden werden bezahlt/genommen, die Familie ist wichtig, wegen eines kranken Kindes nicht zur Arbeit kommen o. k., der Mensch zählt (noch).

Für alle Berichte über Norwegen ist es allerdings wichtig etwas über die Grundkultur zu wissen, die sich doch in kleinen, aber wesentlichen Elementen von der deutschen unterscheidet.

Jeder (!) kann alle gezahlten Steuern einsehen, das bedeutet, man kann sehen, wer in welchem Jahr wieviel Einkommen hatte, wieviel Steuern bezahlt wurden, wie groß der Grundbesitz war... Man ist dem Land und der Gemeinschaft gegenüber sehr loyal, also wer sich ein größeres Stück vom Kuchen nimmt, sollte schon wissen, warum.

Der bescheidene, aber qualifizierten Idealist ist immer noch ein Vorbild in der Gesellschaft, Steuervergehen werden sehr negativ angesehen - nur um einige Unterschiede zu nennen. Manche Norweger sagen auch: Wir sind "dummsnill" also dumm und freundlich.


Leserkommentare

Akka am Dienstag, 24. Februar 2009, 15:40
Mehr..
...schrie der kleine Häwelmann,mehr!
Ich bin etwas enttäuscht,dass Du nicht mehr schreibst.hatte so die Vorstellung von einem Blog,es sei wie ein Tagebuch.Also täglich, und nicht monatlich.
Freue mich zu lesen,dass die Psychatrie in Norge nicht so bristfällig ist wie in Schweden. Mvh aus dem sonnigen vorfrühlingshaften Walsrode Kristina

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