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praxisnah – 20.03.2009

Mitarbeit gefragt

Anamnese, so heißt es, ist der Schlüssel zu Diagnosen, liefert mehr fein ziselierte Kriterien als die heutige Hightech-Medizin. Aber nur, wenn alle mitmachen. 

Ein mir länger bekannter Patient kommt in die Praxis. „Luft!“ Ich versuche, mittels differenzialanamnestischer Fragen dem Problem auf dem Grund zu gehen. Seit wann, mit oder ohne Fieber, mit oder ohne Auswurf? „Luft!“ Bei Belastung, mit oder ohne Angina? „Luft! Das sage ich ihnen doch!“

So komme ich nicht weiter. Gibt es irgendwelche Vorbefunde? „Luft! Alles andere müssen Sie doch wissen!“ Gut, wenn er mir nicht weiterhilft, dann mache ich halt Ultraschall, Doppeluntersuchungen hin, Lauterbach her.

Sein Herz pumpt ausgezeichnet, aber Pleuraergüsse hat er, Ödeme auch, die Nieren sehen arg geschrumpft aus – sind die Nierenwerte in letzter Zeit bestimmt worden?

„Ja, klar, beim Nephrologen war ich letzten Monat, und der Hausarzt hat letzte Woche Blut abgenommen!“ Aha! Und wie waren die Werte? „Das müssen Sie doch wissen!“ Nein, das weiß ich nicht, schließlich bin ich weder der Hausarzt noch der Nephrologe.

Ich habe ihn früher bereits darum gebeten, Vorbefunde mit zu bringen. „Vorbefunde mitbringen? Nö, das ist Ihr Problem. Wenn Sie das interessiert, rufen Sie an!“ Das kann dauern, bis ich die Kollegen erreicht habe. Es wäre aber schon hilfreich, wenn er das nächste Mal dran denken könnte. Ich bin schließlich keine Sekretärin, sondern Kardiologe. „Als Sekretärin haben sie entschieden zu wenig Busen!“

Es ist nicht meine mangelnde Oberweite, die mich in grampositiver Stimmung zurücklässt. Medizin ist hoch komplex, und ohne die Mitarbeit der Patienten laufen unsere Bemühungen in die Leere.


Leserkommentare

DiemoSchaller am Sonntag, 22. März 2009, 16:39
Patient bei Organisation unterstützen
Zunächst wäre es sinnvoll und notwendig, hier veröffentlichte Artikel und Beiträge mindestens mit Pseudonym zu versehen um Antwortenden Bezugs- und Identitätsmöglichkeiten zu bieten.

Was Patienten und Befunde so betrifft, so kann ich aus meiner Warte sagen, bei Ärzten teilweise "Bittsteller" zu sein.
Normal sollte die automatische, durch den Patienten finanzierte, kostengünstigste Versendung ALLER relevanten Befunde an den Patienten sein.
Selbst wenn ich mich schriftlich auf Teile des SGB beziehe, bekomme ich nicht alle Seiten meiner Patientenakte.

Ich möchte bei meinem Hausarzt eine Verfügung hinterlegen können, nachdem mir JEDES neue für meine Behandlung relevante Dokument automatisch zugesandt wird.
Das bedeutet eine Menge Bürokratie - es wird somit nicht dazu kommen.
Alternativ könnte ich mich mit einer SSL-unterstützen Online-Versendung oder passwortgeschützten Server-Hinterlegung anfreunden.

Ich gehe stets von Arzt zu Arzt und zahle eine Menge Geld um meine Befunde zu erhalten.
Dies ermöglicht mir mich zu informieren und qualitativ hochwertigere Arzt-Patientengespräche zu führen.
Es soll Ärzte geben, die sich pikiert fühlen.

Mit freundlichen Grüßen

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